Zensus 2022 – erste Ergebnisse zu Haushalte und Haushaltsstruktur
Analyse des Zensus 2022 mit Schwerpunkt auf die Haushalte und Haushaltsstrukut in Ingolstadt und im Vergleich zu bayerischen Städten und der Region.
Haushalte und ihre Struktur zum Zensus 2022
Während sich der erste Bericht zum Zensus 2022 mit der Bevölkerung und ihrer Struktur beschäftigte, gibt der zweite Teil nun einen tieferen Einblick in das Leben der Bevölkerung in Ingolstadt. Er zeigt die Anatomie der Haushalte auf und weist Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Bayern insgesamt, zu Oberbayern und zu anderen bayerischen Großstädten sowie zur Region 10 aus. Unter dem Begriff Haushalt versteht man allgemein das gemeinsame Zusammenleben und Wirtschaften von Personen. Auch die privaten Haushalte im Sinne des Zensus haben als Grundlage dieses „Konzept des gemeinsamen Wohnens“. Das bedeutet, dass alle Personen, die in einer Wohnung zusammenleben, einen privaten Haushalt bilden. Personen, die dagegen in Gemeinschaftsunterkünften (z.B. Studentenwohnheime, Arbeiterwohnheime usw.) oder in Pflegeheimen wohnen sind hier nicht enthalten. Die privaten Haushalte im Zensus 2022 wurden nochmals in vier Themenbereiche unterteilt. Zum einen die Größe des Haushalts, dann der Typ des Haushalts nach Familienform, der Typ des Haushalts nach Lebensform und zu guter Letzt den Seniorenstatus eines Haushalts.
Größe des Haushalts
Wie der Name schon sagt, spiegelt dieses Merkmal die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen wieder. Also, ob es sich um einen Einpersonenhaushalt oder einen Mehrpersonenhaushalt handelt. Der Zensus weist hier sechs Ausprägungen - von einer Person bis zu sechs und mehr Personen im Haushalt - aus. Wobei die Familie an sich hier noch keine Rolle spielt. Zum Stichtag 15.05.2022 wurden in Bayern rund 6,2 Millionen Haushalte gezählt. Gut 1 % der Haushalte davon entfällt auf Ingolstadt.
Von den rund 67 500 Ingolstädter Haushalten sind gut 30 500 oder auch 45,3 % Einpersonenhaushalte. Danach folgen die Haushalte mit 2 Personen (27,0 %) und 3 Personen (12,8 %). Und ein Siebentel (ca. 10 000) aller Haushalte in Ingolstadt haben eine Größe von 4 und mehr Personen.
In Bayern haben die Einpersonenhaushalte eine prozentualen Anteil von 41,9 % und im Regierungsbezirk Oberbayern von 44,6 % . Ingolstadt hat somit einen überdurchschnittlichen Anteil bei dieser Haushaltsgröße. Allerdings liegt dieser Anteil bei den anderen bayerischen Großstädten (außer Fürth) bei über 50 % - in Regensburg sogar 58,6 % - und ist somit deutlich höher als in Ingolstadt. In den angrenzenden Landkreisen beträgt der Anteil an Haushalten mit einer Person nur ca. ein Drittel. Dafür liegen hier die Anteile an Zweipersonenhaushalten über dem Bayernschnitt (ca. 30%). Die Großstädte sind hier unterdurchschnittlich vertreten. Bei den Haushalten mit einer Größe von drei Personen liegen Ingolstadt und Fürth ungefähr im bayerischem Mittel. Alle anderen Städte liegen mit einem Anteil von 9 bis 11 % unter dem Durchschnitt und die Landkreise der Region über dem Durchschnitt mit 15 bis 16 %. Ingolstadt hat von allen Großstädten den größten Anteil an Haushalten mit 3 Personen (12,8 %) und mit 4 Personen (10,4%).
Typ des Haushalts nach Familienform
Die Familie hat seit jeher einen großen Stellenwert in der Gesellschaft. Früher war es die Sippe oder die Gemeinschaft, die als Familie bezeichnet wurde. Heute verstehen wir darunter Eltern und ihre Kinder - die sogenannte Kernfamilie. Für Viele gehören zur Familie aber auch weitere Verwandte. Diese Konstellation nennt man dann erweiterte Familie. Im Zensus geht es bei der Familienform immer um das Bezugspersonenprinzip. Es ist ausschlaggebend wie die Lebenssituation der Personen in einem Haushalt ist. Der Fokus liegt hierbei auf der Existenz von Kindern. So zählen Einpersonenhaushalte (Singlehaushalte), Paare ohne Kinder und Mehrpersonenhaushalte (z.B. Wohngemeinschaften, Großeltern-Enkel-Haushalte ohne Eltern) nicht als Familie, da keine Kernfamilie im Haushalt vorhanden ist. Der Zensus zählte in Bayern zum Stichtag 15.05.2022 rund 1,9 Millionen Haushalte mit Kernfamilien. Davon waren ca. 1,5 Millionen Haushalte Paare mit Kindern und rund 400 000 Haushalte alleinerziehend. Das heißt auch, dass in mehr als jedem vierten Haushalt mit Kindern nur ein Elternteil wohnt.
Es gibt in Ingolstadt annähernd 14 700 Paare ohne Kinder. Ihr Anteil an allen Haushalten liegt bei 21,8 %. Das sind 2,5 Prozentpunkte unter dem bayernweiten Wert. Nur die Stadt Fürth liegt hier im Mittel. Insbesondere in den Städten München und Regensburg ist der Anteil an kinderlosen Paaren mit 17,4 % weit unter dem bayerischen Durchschnitt von 24,3 %. Bei Paaren mit Kindern hat Ingolstadt den größten Anteil aller bayerischen Großstädte. Knapp ein Viertel aller Haushalte lebt in dieser Familienkonstellation. In den Nachbarlandkreisen sind es sogar ein rund ein Drittel aller Haushalte. Alleinerziehenden-Haushalte sind in der Region 10 und in den Städten Fürth und Nürnberg prozentual mit je circa 7 % vertreten. Das entspricht dem Durchschnittswert Bayerns. Die Städte München, Augsburg, Regensburg, Würzburg und Erlangen liegen unter dem Schnitt. Wobei Würzburg den geringsten Anteil an Alleinerziehenden-Haushalten mit 5,1 % hat. Bei den Mehrpersonenhaushalten dagegen ist Würzburg mit 6 % der Spitzenreiter unter den Großstädten. Bayern und Ingolstadt haben mit einem Anteil vom 2,7 % bzw. 2,8 % annähernd gleiche Werte. In den Landkreisen der Region dagegen haben Mehrpersonenhaushalte nur einen Anteil von rund 2 %.
Typ des Haushalts nach Lebensform
Hinweis: Die Anzahl und der Anteil der eingetragenen Lebenspartnerschaften sind in den grafischen Darstellungen nicht enthalten, da die Werte zu gering sind, um sie visuell darzustellen.
Menschen leben auf vielfältige Art und Weise zusammen. Als Ehepaar, eingetragene Lebensgemeinschaft oder auch nicht ehelich, das sind alles Lebensformen, die unter diesen Typ des Haushaltes fallen. Ebenso betrachtet der Zensus unter diesem Punkt, welchen Anteil Mütter und Väter bei der Alleinerziehung haben. In rund 2,6 Millionen bayerischen Haushalten leben Ehepaare zusammen. Die Zahl der Haushalte mit eingetragenen Lebenspartnerschaften beträgt dagegen nur circa 3 500.
Während im gesamten Gebiet von Bayern in 41,6% der Haushalte Ehepaare leben, sieht es in den Großstädten anders aus. Den kleinsten Anteil an Haushalten mit Verheirateten hat Regensburg (24,5 %). Danach folgen Würzburg, München und Erlangen. Ihre Werte liegen ebenfalls unter 30 %. Den höchsten Anteil weist Ingolstadt mit 38,7 % (über 26 100 Haushalte) aus. Bei den Landkreisen Eichstätt (ca. 29 900) und Neuburg-Schrobenhausen (knapp 21 200) liegt der Anteil an Ehepaaren bei über 50 %. Der Landkreis Pfaffenhofen (über 27 400) hat mit 49,6 % die 50 %-Marke knapp verpasst.
Wenig überraschend ist, dass der Anteil an alleinerziehenden Mütter deutlich höher ist, als der Anteil der alleinerziehenden Väter. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen den Städten und Landkreisen. Während in den bayerischen Großstädten der Anteil der Mütter über 80 % und liegt, ist der Anteil in den Landkreisen der Region unter diesem Wert. Der Landkreis Pfaffenhofen hat hierbei den höchsten Wert in der Region mit 78,3 %.
Seniorenstatus eines Haushalts
Unsere Bevölkerung verändert sich und wird zunehmend älter. Durch diesen demographischen Wandel rücken Senioren immer weiter in den Fokus. Auch der Zensus 2022 hat sich dieses Themas angenommen und ausgewertet, wie viele Haushalte mit Menschen über 65 Jahren es in Deutschland und auch in Bayern gibt. Dabei wird unterschieden, ob es sich um Haushalte handelt, in denen ausschließlich Senioren leben, und Haushalte, in denen Jüngere mit Senioren zusammenleben. Bayernweit gibt es rund 1,4 Millionen reine Seniorenhaushalte und rund 550 000 Haushalte mit Senioren und Jüngeren.
In einem Fünftel aller Haushalte in Ingolstadt (ca. 13 500) leben ausschließlich Senioren. Damit liegt Ingolstadt unter dem bayerischen Mittel von 23 %. Unter den Großstädten hat Regensburg mit 17,7 % den geringsten Anteil und Nürnberg den höchsten Anteil mit 22,5 % an reinen Seniorenhaushalten. Auch die angrenzenden Landkreise (Eichstätt und Pfaffenhofen je rund 11 500, Neuburg-Schrobenhausen rund 9 200) erreichen nicht den Mittelwert in Bayern und liegen mit 20,6 bzw. 21,8% unter dem Durchschnittswert. Haushalte, in denen Senioren mit Jüngeren zusammenwohnen, liegen dafür in der Region mit bis zu 1,6 Prozentpunkten über dem bayerischen Schnitt von 8,9 %. In Ingolstadt sind 7,0 % der Haushalt (rund 4 700) in dieser Konstellation vertreten. Das ist absolut und prozentual der höchste Wert unter den Großstädten. Danach folgt gleich Fürth mit 6,7 %. Regensburg hat dazu im Vergleich den geringsten Anteil mit 4,5 %.
Durchschnittliche Haushaltsgröße
Dividiert man die Zahl der Personen aller Haushalte durch die Anzahl der Haushalte ergibt sich die durchschnittliche Haushaltsgröße. Diese liegt bayernweit bei 2,09 Personen pro Haushalt. In Ingolstadt leben im Mittel 2,04 Personen in einem Haushalt. Ingolstadt hat somit den größten Wert unter den bayerischen Großstädten. Fürth folgt im Anschluss mit einer Haushaltsgröße von 1,97. Regensburg dagegen hat mit 1,73 den niedrigsten Wert unter den Großstädten in Bayern. Die angrenzenden Landkreise liegen deutlich höher als der bayerische Schnitt. In den Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen beträgt die durchschnittliche Haushaltsgröße 2,29 – im Landkreis Eichstätt sogar 2,39.
Abschließend kann man sagen, dass Ingolstadt nicht dem Typus anderer Großstädte entspricht. Unsere Stadt bildet eher den bayerischen Durchschnitt ab oder nähert sich ihm an. Am ehesten lässt sich Ingolstadt noch mit Fürth vergleichen. Beide Städte weisen Gemeinsamkeiten auf , z.B. bei den Einpersonenhaushalten, Ehepaaren und Seniorenhaushalten. Großstädte wie Regensburg, Augsburg oder auch Erlangen dagegen haben eine andere Bevölkerungsstruktur. Hier wohnen viele Studierende. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Haushaltsstrukturen aus.










