Zensus 2022 – erste Ergebnisse zur Bevölkerung und Bevölkerungsstruktur
Analyse des Zensus 2022 mit Schwerpunkt auf die Bevölkerung und Bevölkerungsstruktur in Ingolstadt und im Vergleich zu bayerischen Städten und der Region.
Der Zensus 2022
Im Jahr 2022 fand in ganz Deutschland ein Zensus („eine Volkszählung“) statt. Die EU-Verordnung 763/2008 verpflichtet die Mitgliedsstaaten zur Erfassung von Bevölkerungsergebnissen. Grundlage ist ein festgelegter Merkmalskatalog. So sind die Ergebnisse EU-weit miteinander vergleichbar. Mindestens alle 10 Jahre ist in der EU ein Zensus für alle Mitgliedsländer verpflichtend. Gesetzliche Grundlage in Deutschland waren das Zensusvorbereitungsgesetz von 2017 sowie das Zensusgesetz von 2019 und Durchführungsgesetze der Länder.
Vordringlichstes Ziel des Zensus ist es, aktuelle und zuverlässige Bevölkerungszahlen für alle Städte und Gemeinden in Deutschland zu gewinnen. Über 100 Gesetze und Bestimmungen basieren auf Berechnungen mit der Einwohnerzahl, z. B. finanzielle Ausgleichszahlungen, der kommunale Finanzausgleich etc. Die Fortschreibung der amtlichen Einwohnerzahl des letzten Zensus 2011 mittels Geburten, Sterbefällen, Zu- und Wegzügen ist sehr ungenau und benötigt darum immer wieder eine Art „Inventur“.
Zunächst wurden deshalb die Melderegister aller Städte und Gemeinden und weitere Datenquellen vom Statistischen Bundesamt und den Statistischen Landesämtern ausgewertet (z. B. der Bundesagentur für Arbeit). Da die Melderegister der Städte und Gemeinden meist aufgrund falschen Meldeverhaltens der Bürger/-innen Fehler enthalten, wurde von Mai bis Oktober 2022 eine Stichprobenbefragung der Bevölkerung überwiegend durch Interviewer durchgeführt. Von den rund 84 Millionen gemeldeten Deutschen wurden ca. 12 Millionen an über 2 Millionen Adressen befragt. Es bestand gesetzliche Auskunftspflicht. Die persönlichen Verhältnisse mussten zum Stichtag 15. Mai 2022 angegeben werden.
Die Stichprobenergebnisse wurden mit den Melderegistern verglichen und Fehler statistisch ausgeglichen. Eine Korrektur der Melderegister durfte aus Datenschutzgründen nicht ausgeführt werden. Überhaupt waren die Datenschutzbestimmungen beim Zensus 2022 äußerst streng. Die persönlichen Daten der Befragungen wurden anonymisiert und dürfen den Bereich der statistischen Ämter nicht verlassen. Nur statistische Auswertungen von zusammengefassten Daten, die keine Rückschlüsse auf einzelne Personen mehr erlauben, werden veröffentlicht.
Neben der Stichprobe der Bevölkerungsbefragung wurden alle Haus- und Gebäudebesitzer/-innen befragt, um den Wohngebäude- und den Wohnungsbestand detailliert zu erfassen. Dabei wurden auch Informationen zu den Mieten, zum Leerstand von Wohnungen und zur Heizungsart sowie dem Energieträger der Heizungen in Gebäuden und Wohnungen gewonnen.
Nach umfangreichen Aufbereitungsarbeiten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern wurden erste, teils vorläufige Ergebnisse Ende Juni 2024 veröffentlicht.
Ergebnisse für ganz Deutschland und die einzelnen Städte, Landkreise und Gemeinden sind unter www.zensus2022.de abrufbar.
Für den Freistaat Bayern sind unter www.zensus2022.bayern.de die Zensusergebnisse für das Land Bayern, die Regierungsbezirke, die kreisfreien Städte, die Landkreise und für alle Landkreisgemeinden als Bericht in PDF-Form sowie als Excel-Datei verfügbar.
Die Ergebnisse des Zensus 2022 dienen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und sonstigen Organisationen und Institutionen als unverzichtbare Basis für Entscheidungen und Planungen.
Neben der amtlichen Festsetzung der durch den Zensus ermittelten Einwohnerzahlen sind Informationen über die Bevölkerungsstruktur (Demografie), die Haushaltsstrukturen, Gebäude- und Wohnungsbestände sowie zu Schul- und Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit der Bevölkerung gewonnen worden.
In mehreren Berichten werden diese Ergebnisse thematisch für die Stadt Ingolstadt und im bayerischen Großstadt- und Regionalvergleich vorgestellt.
Einwohnerbestand zum 15.05.2022 im Vergleich zur fortgeschriebenen amtlichen Einwohnerzahl auf der Basis des Zensus 2011
Als erstes sehr wichtiges Ergebnis des Zensus ist der Vergleich der aktuell ermittelten Einwohnerzahl zum 15. Mai 2022 mit der auf Basis des vorangegangenen Zensus 2011 fortgeschriebenen Einwohnerzahl zum 30.06.2022 festzuhalten.
Bei allen bayerischen Großstädten zwischen 100 000 und 160 000 Einwohner/-innen und auch bei den Landkreisen der Region 10 Ingolstadt fällt die Einwohnerzahl zum 15. Mai 2022 niedriger aus als die fortgeschriebene Zahl zum 30.06.2022 auf der Basis des alten Zensus 2011. Lediglich in der Stadt Würzburg liegt die aktuelle Zensuszahl leicht über der Fortschreibung.
Betrachtet man die Unterschiede der beiden Bevölkerungszahlen genauer, fällt auf, dass es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und Landkreisen gibt:
Ingolstadt hat nach dem Zensus 2022 am 15.05.2022 rund 3 100 Einwohner/-innen weniger gegenüber der bisherigen amtlichen Bevölkerungszahl zum annähernd gleichen Zeitpunkt vom 30.06.2022. Prozentual betrachtet liegt Ingolstadt (-2,2%) damit gleichauf mit dem Durchschnitt Bayerns und etwas höher als die größeren Städte München und Augsburg.
In der Region hat der Landkreis Eichstätt mit einem Minus von 1 600 Einwohner/-innen (-1,2%) beim Zensus 2022 die geringste Korrektur nach unten. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit einer um gut 2 300 Personen niedrigeren Einwohnerzahl beim Zensus 2022 liegt prozentual mit -2,3% im Bereich von Bayern, Oberbayern und Ingolstadt. Der Landkreis Pfaffenhofen hat dagegen mit einer um knapp 3 900 Personen niedrigeren Einwohnerzahl (-3,0%) die höchste Korrektur in der Region erfahren.
In der Stadt Erlangen liegt der Unterschied bei knapp -3 100 (-2,7%). Die Stadt Regensburg hat durch den Zensus 2022 über 10 000 Einwohner/-innen weniger (-6,7%). als durch die monatliche Fortschreibung durch Geburten, Sterbefälle, Zu- und Wegzüge errechnet In Fürth sind nur rund 440 Einwohner/-innen weniger beim Zensus 2022 gezählt worden, während Würzburg ca. 3 500 Personen mehr hat durch den Zensus als in der bisherigen amtlichen Fortschreibung (durch den Zensus 2011 wurde die amtliche Einwohnerzahl Würzburg damals um rund 10 000 Bürger/-innen nach unten korrigiert).
Veränderungen der Bevölkerungsstruktur mit dem Zensus 2022
Wie setzt sich die Zahl von 3 085 Personen, die der Zensus 2022 in Ingolstadt weniger ausweist als die amtliche Bevölkerungsfortschreibung, zusammen. Gibt es Unterschiede hinsichtlich Staatsangehörigkeit, Altersgruppen oder Geschlecht?
Von den knapp 3 100 Einwohner/-innen, die weniger geworden sind, sind rund 1 600 Deutsche (-1,5%) und knapp 1 500 Ausländer/-innen (-5,0%), 1 500 sind männlich (-2,1%), knapp 1 600 weiblich (-2,3%).
Besonders viele der beim Zensus 2022 nicht mehr nachweisbaren Einwohner/-innen waren im Alter von 25 bis unter 40 Jahren (-1 246 oder -3,8%) oder im jungen Erwachsenenalter von 19 bis unter 25 Jahren (-399 oder -4,1%) auch bei der Altersgruppe ab 75 Jahren wurden ca.
-500 Personen (-3,8%) Personen weniger gezählt.
Obwohl die absoluten Differenzen bei den Kindern nicht so hoch sind, schlagen sie doch prozentual deutlich zu Buche: 0 bis unter 3 Jahre mit -176 (-3,8%), 3 bis unter 6 Jahre mit -142 (-3,2%) und 6 bis unter 10 Jahre mit -147 (-2,7%).
Deutsche und ausländische Bevölkerung
Im Städtevergleich der fünf kleineren bayerischen Großstädte und im Regionalvergleich mit den Landkreisen der Region 10 Ingolstadt ergibt sich folgendes Bild:
Mit über 28 000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit hat Ingolstadt unter den fünf kleineren bayerischen Großstädten absolut die höchste Zahl. Prozentual liegt Ingolstadt (20,7%) allerdings fast gleichauf mit Fürth (20,0%) und Erlangen (20,5%). Regensburg hat mit 18,5% ausländische Bevölkerung etwas weniger als Ingolstadt, Würzburg mit 13,6% den deutlich niedrigsten Anteil.
In Bayern liegt der Anteil der Ausländer/-innen an der Gesamtbevölkerung bei gut 14%, in Oberbayern, hauptsächlich wegen München, bei über 18%. Die Stadt München hat mit über 27% den höchsten Anteil an ausländischer Bevölkerung unter allen bayerischen Großstädten, Nürnberg mit gut 24% und Augsburg mit rund 23% liegen etwas darunter.
In der Region hat der Landkreis Pfaffenhofen die meisten Ausländer/-innen (rund 15 600 oder 12,3%). Der Landkreis Eichstätt hat zwar mehr ausländische Bevölkerung (ca. 12 800) gegenüber dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, prozentual sind es bei letzterem allerdings 11,3% im Vergleich zu 9,6% im Landkreis Eichstätt.
Neues Konzept: Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte
Beim letzten Zensus 2011 wurde die Bevölkerung mit Migrationshintergrund berechnet. Dazu zählen:
Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit
Personen, die nach Deutschland zugewandert sind, also in einem anderen Land geboren sind (ohne Vertriebene des 2. Weltkriegs)
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die mindestens einen Elternteil haben, der selbst nach Deutschland zugewandert ist
Beim Zensus 2022 wurden die Personen mit Einwanderungsgeschichte berechnet. Der Begriff Einwanderungsgeschichte ist besser vergleichbar mit anderen, auch europäischen Statistiken, z. B. dem Mikrozensus, der jedes Jahr durchgeführt wird (1% der Bevölkerung wird befragt). Zu den Personen mit Einwanderungsgeschichte zählen:
Eingewanderte (eigene Einwanderungserfahrung, Geburtsort im Ausland)
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, deren beide Eltern Eingewanderte sind; sie werden als Nachkommen der Eingewanderten bezeichnet
Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland, die nicht eingewandert sind oder nicht Nachkommen unter 18 Jahren von Eingewanderten sind, werden nicht als Personen mit Einwanderungsgeschichte gezählt. Außerdem werden Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die nur einen Elternteil mit Einwanderungsgeschichte haben, ebenfalls nicht dazugezählt. Der Begriff Personen mit Einwanderungsgeschichte ist also – anders als der Migrationshintergrund – enger gefasst und orientiert sich nicht an der Staatsangehörigkeit. Zahlenmäßig fallen weniger Personen unter den Begriff „mit Einwanderungsgeschichte“ als unter den Begriff „Migrationshintergrund“.
Ingolstadt hat mit nahezu 53 000 Personen (45 580 + 7 380) deutlich mehr Personen mit Einwanderungsgeschichte (Eingewanderte und Nachkommen von Eingewanderten) als alle anderen kleineren bayerischen Großstädte und auch die Landkreise der Region.
Nimmt man die Eingewanderten und die Nachkommen der Eingewanderten zusammen (= Personen mit Einwanderungsgeschichte) und setzt sie prozentual ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, hat Ingolstadt mit 38,7% den höchsten Anteil aller bayerischen Großstädte. Während die größeren Großstädte mit knapp 37 bzw. 38% knapp darunter liegen, sind es bei den kleineren Großstädten 25 bis etwas über 32%. In den Landkreisen der Region liegt der Anteil bei rund 18% (Landkreis Eichstätt) bzw. knapp unter 20%.
Hinzu kommen noch 1,5 bis 2,7% (Ingolstadt) Personen mit einseitiger Einwanderungsgeschichte, die aber in der Statistik eigentlich zu den Personen ohne Einwanderungsgeschichte zählen.








