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  • Der Weg aus der Schuldenfalle
  • Wirtschaftskrisen und Änderung im Insolvenzrecht
  • Unternehmen unter Druck
    • Unternehmensinsolvenzen im Städtevergleich
    • Bau- und Gastgewerbe besonders betroffen
    • Zahl der Insolvenzen bei Selbstständigen fast verdreifacht
  • Über Hälfte aller Insolvenzen sind Verbraucherinsolvenzen
    • Ingolstadt: 0,75 Verbraucherinsolvenzen je 1 000 Einwohner
    • Landkreise weniger von Verbraucherinsolvenzen betroffen
  • Stadt Ingolstadt als Gläubiger im Insolvenzverfahren
  • Einblick in das Jahr 2025

Entwicklung der Insolvenzen in Ingolstadt

Wirtschaft, Tourismus und Verkehr

Auswertung zur Entwicklung der Insolvenzen in Ingolstadt

Autor/-in

Melanie Giebel

Veröffentlichungsdatum

1. September 2025

Der Weg aus der Schuldenfalle

Bekanntlich steht es zurzeit schlecht um die Finanzen der Stadt Ingolstadt. Aber auch Unternehmen und Privatpersonen können sprichwörtlich „am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrighaben“. Wer in eine finanzielle Schieflage gerät, hat aber im Gegensatz zur Stadt die Möglichkeit durch Eröffnung eines Insolvenzverfahrens der Schuldenfalle zu entkommen. Durchläuft man dieses dann erfolgreich, ist man am Ende schuldenfrei.

Dieser Bericht soll die Entwicklung der Insolvenzen in Ingolstadt beleuchten. Dabei muss man bedenken, dass auch die Insolvenzen einen Einfluss auf die finanzielle Lage einer Stadt haben können. So können zum Beispiel offene Forderungen oder Verzögerungen durch die Pleite eines Auftragsnehmers zu teils erheblichen Mindereinnahmen bzw. Mehrausgaben führen.

Der Gesetzgeber unterscheidet zwei Arten von Insolvenzen – Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz. Regelinsolvenzen umfassen Insolvenzen von Unternehmen, ehemals Selbständigen, Gesellschaftern und Nachlässen. Das Verbraucherinsolvenzverfahren durchlaufen dagegen Privatpersonen und ehemals Selbstständige mit überschaubaren Vermögensverhältnissen.

Übersichtsgrafik zu Insolvenzarten

Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Wirtschaftskrisen und Änderung im Insolvenzrecht

Zahlungsunfähigkeit ist oft eng verbunden mit der wirtschaftlichen Lage der Welt, Deutschlands, Bayerns oder auch einer Kommune. Das sieht man auch, wenn man die Entwicklung der Insolvenzen in den letzten Jahren in Ingolstadt betrachtet. So stieg deren Zahl in Folge der globalen Finanzkrise (2008) und der Eurokrise (2010) um 58 Fälle von 190 Fällen im Jahr 2009 auf 248 Fälle im Jahr 2011 an. Danach ging die Zahl der Insolvenzen deutlich zurück bis 2020 der Tiefststand von 103 Insolvenzen erreicht wurde. Dies war hauptsächlich der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in Coronazeiten geschuldet. Infolgedessen kam es durch Nachholeffekte und der schwächelnden Wirtschaft im Jahr 2021 wieder zu einem Anstieg um über 75 % des Vorjahreswertes. Im Folgejahr erholte sich die Wirtschaft wieder und somit sank auch die Zahl der Insolvenzen. Seit 2023 steigt die Zahl der Insolvenzen wieder deutlich an. Das liegt vor allem an der Änderung im Insolvenzrecht (Oktober 2020). Die Wohlverhaltensphase für Verbraucher und Selbstständige wurde von 6 auf 3 Jahre herabgesetzt. Für Viele wurde somit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens attraktiver, da dies nun schneller zur Schuldenfreiheit führen kann.

Diagramm Entwicklung der Insolvenzverfahren in Ingolstadt 2009-2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Differenziert man die Zahlen nach den Insolvenzarten sieht man, dass bei Wirtschaftskrisen als erstes die Unternehmen betroffen sind. Erst mit einer Verzögerung von 1 bis 2 Jahren wirken sich die Krisen auf Selbstständige und Verbraucher aus.

Diagramm Entwicklung der Insolvenzen nach Art 2009-2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Unternehmen unter Druck

Bei Unternehmen gibt es im Gegensatz zu den Selbständigen und den Verbrauchern keine Wohlverhaltensphase. Ein Konkurs wirkt sich hier auch auf die Beschäftigten einer Firma aus. So haben Betriebe eine hohe Verantwortung zu tragen und stehen dabei auch unter großem Druck. Oft stellt sich die Frage, ob die Sanierung eine Option ist, um möglichst viele Arbeitsplätze retten zu können. Wird die Eröffnung des Insolvenzverfahrens aber mangels Masse

abgelehnt, weil kein Vermögen vorhanden ist, um die Verfahrenskosten zu decken, bleibt nur die Liquidation des Unternehmens und alle Arbeitsplätze gehen verloren.

In den Jahren 2009 bis 2020 belief sich der Anteil der mangels Masse abgewiesenen Insolvenzen im Bereich von 13% bis 28 %. In den Jahren 2021 bis 2023 wurden fast ein Drittel aller Insolvenzverfahren in Ingolstadt mangels Masse abgelehnt. Zwar gab es im Jahr 2024 wieder mit einer Anzahl von 47 relativ viele Insolvenzen, hier wurden aber 35 Verfahren eröffnet und nur 12 abgewiesen. So sank der Anteil der abgewiesenen Verfahren um 4 Prozentpunkte zum Vorjahr.

Diagramm Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen nach eröffneten und abgelehnten Verfahren 2009-2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Unternehmensinsolvenzen im Städtevergleich

In Bayern und in Oberbayern kamen im Jahr 2024 auf 1 000 ansässige Unternehmen (hier: rechtliche Einheit) 3,31 eröffnete Unternehmensinsolvenzverfahren. In Ingolstadt lag dieser Wert bei 7,26 und war somit mehr als doppelt so hoch. Nur die kreisfreie Stadt Nürnberg hatte mit 7,68 eröffneten Verfahren je 1 000 rechtliche Einheiten eine größere Quote an Unternehmensinsolvenzen. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass ein Städtevergleich bei den Unternehmensinsolvenzen sich als schwierig gestaltet. Während die Anzahl der Unternehmen über eine Quotenbildung noch gut abzubilden ist, sind es aber die Wirtschaftsbereiche, die sich als problematisch darstellen. So hat jede Stadt ihre eigenen Wirtschaftsstrukturen, die mal mehr oder weniger von Insolvenzen betroffen sind. Es bräuchte daher eine tiefere Analyse, die allerdings den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde.

Tabelle Unternehmensinsolvenzen je 1000 Einwohner im Städtevergleich

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Bau- und Gastgewerbe besonders betroffen

Vor allem im Bau- und Gastgewerbe stieg die Zahl der Insolvenzen. Dies ist ein Phänomen, das sich nicht nur auf Ingolstadt bezieht, sondern deutschlandweit auftritt. Gründe hierfür sind unter anderem die hohen Kosten für Energie, Material und Fachkräfte. Auch die schwache Nachfrage aufgrund steigender Baupreise und Zinsen setzen dem Baugewerbe zu. Zudem wirkt sich der Fachkräftemangel erheblich auf beide Wirtschaftszweige aus. Aber auch andere Branchen haben aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums zu kämpfen.

Diagramm Insolvenzen in Ingolstadt 2024 nach Wirtschaftszweigen

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Zahl der Insolvenzen bei Selbstständigen fast verdreifacht

Einzelunternehmer, Freiberufler, Gesellschafter von Personengesellschaften (OHG, KG, GbR) und geschäftsführende Gesellschafter von Kapitalgesellschaften fallen im Insolvenzrecht unter den Begriff Selbstständige. Sie durchlaufen grundsätzlich das Regelinsolvenzverfahren (Ausnahme siehe Schaubild, Seite 1).

Mit der Reform des Insolvenzrechtes können ehemals Selbstständiger und Verbraucher schneller den Schulden entkommen und einen Neuanfang wagen. Diese Reform hat sich ab 2021 deutlich auf die Zahl der Insolvenzen bei ehemals Selbstständigen ausgewirkt. Gab es im Jahr 2020 noch 18 Insolvenzfälle, liegt die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2024 bereits bei 51. Das ist ein Anstieg von über 280 %. Ein besonders starker Anstieg zeichnete sich von 2022 auf 2024 ab. Hier handelt es sich wahrscheinlich um Nachholeffekte infolge der COVID-19-Pandemie.

Die Zahl der Insolvenzen anderer Schuldner ist seit langem auf niedrigem Niveau und bewegt sich zwischen 1 bis 5 Fällen pro Jahr. Hierzu zählen natürliche Personen als Gesellschafter u.Ä. sowie Nachlässe. Nachlassinsolvenzverfahren können beantragt werden, wenn das Erbe die Schulden des Verstorbenen nicht deckt. So muss der Erbe nicht mit seinem Vermögen haften und die Ansprüche der Gläubiger können dennoch befriedigt werden.

Diagramm Entwicklung Insolvenzen ehem. Selbstständiger und anderer Schuldner in Ingolstadt 2009 - 2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Über Hälfte aller Insolvenzen sind Verbraucherinsolvenzen

Plötzliche Veränderungen im Leben z.B. durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Scheidung können oft zu einer Überschuldung führen. Wenn dann weder die außergerichtliche noch eine gerichtliche Einigung mit den Gläubigern erfolgreich wird, bleibt zum Schluss die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Ziel hierbei ist es zum einen den Schuldner wieder wirtschaftlich neu aufzustellen und zum anderen die Gläubiger vor Verlusten zu schützen. Sollten nach erfolgreichem Durchlaufen des Verfahrens noch Schulden bestehen, wird der Schuldner von diesen befreit. Die sogenannte Restschuldbefreiung tritt ein.

In den letzten Jahren wurde keine Verbraucherinsolvenz mangels Insolvenzmasse abgewiesen. Das liegt daran, dass bei Privatpersonen im Gegensatz zu juristischen Personen das Gericht die Verfahrenskosten stunden kann. Diese Kosten übernimmt dann vorerst der Staat. So kann trotz geringer Insolvenzmasse das Verfahren eröffnet werden.

Die Verbraucherinsolvenz nimmt den größten Anteil bei den Insolvenzen ein. In den letzten 15 Jahren bewegte sich ihr Anteil zwischen 51 % bis 75 %. Interessanterweise scheint sich die Gesetzesreform hier aber nicht so stark auszuwirken, wie bei den ehemals Selbstständigen. Zwar steigen auch hier die Zahlen an, aber bei weitem nicht so deutlich, wie in den anderen Insolvenzarten. Abzuwarten ist, ob durch die anhaltende Rezession die Zahl der Verbraucherinsolvenzen doch noch deutlich ansteigen wird.

In den Jahren 2009 bis 2014 war die Zahl der Verbraucherinsolvenzen am höchsten. Hier zeichnen sich die Folgen der Wirtschaftskrisen ab. Danach sanken die Zahlen und stiegen im Jahr 2021 wieder deutlich an. Im Folgejahr sank ihre Zahl wieder. Seit 2023 ist wieder eine Mehrung von Insolvenzfällen erkennbar. Das Jahr 2024 hat mit 109 Fällen fast das Niveau von 2021 erreicht.

Diagramm Entwicklung Verbraucherinsolvenzen in Ingolstadt 2009 - 2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Ingolstadt: 0,75 Verbraucherinsolvenzen je 1 000 Einwohner

Ingolstadt liegt bei den Verbraucherinsolvenzen über dem Schnitt Bayerns und Oberbayerns. Während im Freistaat auf 1 000 Einwohner 0,49 Verbraucherinsolvenzen kommen, sind es in Ingolstadt 0,75 je 1 000 Einwohner.

Würzburg hat mit 0,46 die niedrigste Rate unter den vergleichbaren Städten. Auch München hat eine sehr niedrige Verbraucherinsobvenzrate mit 0,52. Nürnberg dagegen liegt mit 0,93 deutlich über dem bayerischen Mittelwert.

Diagramm Vergleich Verbraucherinsolvenzen Ingolstadt, Bayern, Städte 2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Landkreise weniger von Verbraucherinsolvenzen betroffen

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass vor allem Landkreise, außer der Landkreis Hof - weniger von Verbraucherinsolvenzen betroffen sind. Kreisfreie Städte dagegen haben deutlich mehr Privatinsolvenzen. Faktoren dafür könnten sein, dass in ländlichen Regionen im Gegensatz zur Stadt die Lebenshaltungskosten geringer sind und soziale Netze stärker ausgeprägt sind. Sieht man sich die umliegenden Landkreise der Region 10 an, fällt auf, dass das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte je Einwohner im Jahr 2022 höher war, als in Ingolstadt. Ein höheres Einkommen schützt oft vor Überschuldung und ist somit ebenfalls ein möglicher Faktor für die geringere Anzahl an Privatinsolvenzen.

Karte Verbraucherinsolvenzen Bayern 2024

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik

Stadt Ingolstadt als Gläubiger im Insolvenzverfahren

Wie schon in der Einleitung erwähnt, haben Insolvenzen auch einen Einfluss auf die Stadtfinanzen. Die Stadt als Gläubiger musste in den letzten Jahren immer mehr Forderungen zum Insolvenzverfahren anmelden. Im Jahr 2018 wurde über eine dreiviertel Million Euro bei den Insolvenzverwaltern der säumigen Schuldner gemeldet. Die offenen Forderungen stiegen von Jahr zu Jahr an. Eine Ausnahme bildet auch hier das Jahr 2021. 2024 wurde dann der Höchststand der Meldungen mit knapp 1,25 Millionen Euro erreicht.

Diagramm Entwicklung Forderungen Stadt Ingolstadt 2018 - 2024

Quelle: Stadtkasse - Vollstreckungsstelle // Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Einblick in das Jahr 2025

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht monatlich die vorläufigen monatlichen Angaben zu Insolvenzverfahren. Diese basieren auf aktuellen Insolvenzbekanntmachungen aller Amtsgerichte in Deutschland. Sie weisen noch nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken auf und zählen daher zu den experimentellen Daten. Allerdings kann man aus diesen Daten einen Trend für das Jahr 2025 ablesen. So gab laut Pressemitteilung vom 11. September 2025 im 1.Halbjahr 2025 12 009 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 12,2 % mehr als im 1. Halbjahr 2024. Bezogen auf 10 000 Unternehmen gab es im 1. Halbjahr 2025 in Deutschland insgesamt 34,6 Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Insolvenzen entfielen auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei. Danach folgten das Gastgewerbe sowie das Baugewerbe. Bei den Verbraucherinsolvenzen gab es im ersten Halbjahr 2025 eine Steigerung um 7,5 % gegenüber der 1. Halbjahr 2024.

Auch das Bayerische Landesamt für Statistik hat in der Pressemitteilung vom 31. Juli 2025 Zahlen auf Landesebene veröffentlicht. Danach stieg die Zahl der Verfahren in Bayern im 1. Halbjahr 2025 um 6 % gegenüber dem 2. Halbjahr 2024 an und erreichte somit den Stand von vor 10 Jahren. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 7,7 % zu, die der Verbraucherinsolvenzen um 8 %. Insgesamt zeigt sich in der Mehrzahl der Branchen ein Aufwärtstrend in der Zahl der Unternehmensinsolvenzen. Bayernweit nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen aber vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Gastgewerbe zu.

Faktoren- wie steigende Energiekosten, Lieferkettenprobleme, geopolitische Unsicherheiten und die Konsumzurückhaltung der Verbraucher – tragen maßgeblich zu steigenden Insolvenzzahlen bei.

Aufgrund der vorliegenden Zahlen und den genannten Faktoren ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Insolvenzverfahren im Laufe des Jahres 2025 stetig weiter zunehmen wird.