Entwicklung des Kfz-Bestandes in Ingolstadt
Analyse zur Entwicklung des Kfz-Bestandes nach Antriebsart sowie Entwicklung der Ladesäulen je E-Auto in Ingolstadt und der Region 10
Wer sein Auto liebt, der lädt!?
„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“, soll Kaiser Wilhelm II. einst gesagt haben. Ein Irrglaube, wie man heute weiß. Das Auto ist seit langem das beliebteste Fortbewegungsmittel Deutschlands. Als Autostadt steht Ingolstadt dem in nichts nach. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich in den letzten 15 Jahren der Kfz-Bestand im Stadtgebiet um ein Drittel erhöht hat. Die Einwohnerzahl dagegen erhöhte sich nur um circa ein Sechstel. Kamen zum 01.01.2010 auf 1 000 Einwohner rund 730 Kraftfahrzeuge, sind es im Jahr 2024 bereits gut 830. Dieser stetige Anstieg führt neben erhöhtem Verkehrsaufkommen, auch zu einer erhöhten Belastung für Mensch und Umwelt. Dabei stellt sich die Frage, wie Ingolstadt zur E-Mobilität steht. Um dies beantworten zu können, muss man zum einen die Entwicklung bei den gemeldeten Kraftfahrzeugen nach ihrer Kraftstoffart und zum anderen die Ladeinfrastruktur in der Stadt betrachten.
Entwicklung des Kfz-Bestandes in Ingolstadt
Im Jahr 2015 wurde der Diesel- und Abgasskandal in den USA aufgedeckt. Die Folgen hiervon allerdings wirkten sich erst ab dem Jahr 2017 aus, als über erste Dieselfahrverbote in Deutschland diskutiert wurde. Innerhalb von 8 Jahren sanken die Zulassungszahlen von Kraftfahrzeugen mit Dieselkraftstoff in Ingolstadt um rund 25 Prozent. Bei den Benzinern zeichnete sich zunächst ein positiver Trend ab, bis es auch hier mit der Corona-Krise im Jahr 2020 zu einem Einbruch der Zulassungszahlen kam. Allerdings war dieser nicht so gravierend wie beim Diesel und lag in den 8 Jahren bei rund 2%. Zum 1.1.2024 ist wieder ein leichter Aufschwung bei benzinbetriebenen Fahrzeugen zu erkennen.
Bei den Elektro-, Hybrid- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen dagegen stieg die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge zwischen 2017 und 2024 um insgesamt rund das 17-fache an. Kraftfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb hatten im Jahr 2017 einen Anteil von nur 0,1% und auch bei Hybrid-Fahrzeugen lag der Anteil lediglich bei 0,4% und bei den Plug-In-Hybriden bei 0,8 %. Zwar haben Benziner und Diesel 2024 immer noch den Löwenanteil bei den zugelassenen Kraftfahrzeugen, aber auch Dank der Kaufprämien konnte die Sparte ihre Quoten auf 5,6 % bei den Elektro-Fahrzeugen, 11,4 % bei den Hybriden und 3,3 % bei den Plug-In-Hybriden ausbauen. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt ist bisher nicht abzusehen, zumal die Umweltprämie für den Kauf eines Elektrofahrzeuges am 17.12.2023 ausgelaufen ist.
Ladeinfrastruktur in Ingolstadt
Um die Attraktivität der E-Mobilität für Autofahrer zu steigern, muss natürlich auch eine gut ausgebaute öffentliche Ladeinfrastruktur in der Stadt gegeben sein. Nicht jeder Eigentümer eines Elektro- bzw. Plug-In-Hybridfahrzeuges hat die Möglichkeit im eigenen Heim sein Fahrzeug zu laden. Und auch wenn man unterwegs ist, möchte man jederzeit die Möglichkeit haben sein Auto aufladen können. Da ist es schon von Vorteil, wenn die Stadt, der Arbeitgeber oder auch das Gewerbe und der Einzelhandel viele Lademöglichkeiten bieten. In Ingolstadt gibt es derzeit laut Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur (Bundesnetzagentur - E-Mobilität) 1 382 öffentliche Ladepunkte (Stand 21.03.2024)*.
*Die Liste beinhaltet die Ladeeinrichtungen aller Betreiberinnen und Betreiber, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur zum Zeitpunkt der Aktualisierung vollständig abgeschlossen haben. Die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladeeinrichtungen in Ingolstadt ist daher größer als hier dargestellt.
Diese verteilen sich aber nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet. Mit 560 Ladepunkten an 316 Standorten (Audi AG) belegt der Stadtbezirk Etting den ersten Platz. Danach folgen mit 425 Ladepunkten an 247 Standorten der Stadtbezirk Nordwest und 195 Ladepunkten an 105 Standorten der Stadtbezirk Nordost. Schlusslichter sind die Bezirke Oberhaunstadt und West mit keinen Ladepunkten sowie der Bezirk Südwest mit 2 Ladepunkten einem Standort. Das liegt vor allem daran, dass auf den ersten drei Plätzen die Audi AG seinen Mitarbeitern und Kunden eine gute Ausstattung mit Elektrotankstellen bieten möchte. Auch beim IN-Campus im Südosten setzt man auf die E-Mobilität und muss dazu auch viele Kapazitäten zum Aufladen bieten. Hier gibt es weitaus mehr als die verzeichneten 54 Ladepunkte. Da die Ladepunkte in der Kälberschüttstraße aber das Anzeigeverfahren bei der Bundesnetzagentur noch nicht vollständig durchlaufen haben, fehlen diese zurzeit noch im Ladesäulenregister. In den anderen Stadtbezirken sind die öffentlichen Lademöglichkeiten nicht so stark bis sehr wenig ausgeprägt. Es ist davon auszugehen, dass Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeuge hier vorwiegend durch private Anschlüsse (Wall-Boxen) mit Strom versorgt werden.
Die Liste beinhaltet die Ladeeinrichtungen aller Betreiberinnen und Betreiber, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur zum Zeitpunkt der Aktualisierung vollständig abgeschlossen haben. Die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladeeinrichtungen in Ingolstadt ist daher größer als hier dargestellt.
Ebenfalls interessant ist auch zu betrachten wie viele zugelassene Elektro- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge in einem Stadtbezirk auf die dort angebotenen öffentlichen Elektrotrankstellen entfallen. Dabei stellt man fest, dass in Etting auf jedes angemeldete ladefähige E-Fahrzeug mehr als ein Ladeanschluss kommt und somit komplett öffentlich versorgt ist. Danach folgt der Stadtbezirk Nordost mit gut drei Elektro- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen und Friedrichshofen-Hollerstauden mit gut fünf elektrisch zu ladenden Fahrzeugen pro öffentlichen Ladeanschluss. West und Oberhaunstadt dagegen versorgen kein einziges seiner 189 bzw. 94 angemeldeten Stromer öffentlich. Und im Stadtbezirk Südwest müssen sich 123 E-Fahrzeuge einen Anschluss teilen. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass die Versorgung hauptsächlich durch private Anschlüsse abgedeckt ist.
Zum Schluss noch ein Blick über den Tellerrand. In den angrenzenden Landkreisen gibt es nicht so viele Ladepunkte wie in der Stadt Ingolstadt. Im Landkreis Eichstätt sind es 221, im Landkreis Pfaffenhofen 198 und im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen 156 Ladepunkte. In Ingolstadt kommen gut sieben Elektro- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge auf einen Ladepunkt, im Landkreis Eichstätt sind es rund 22, im Landkreis Pfaffenhofen rund 20 und im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen teilen sich gut 16 Fahrzeuge einen Ladepunkt.
Deutschlandweit kommen rund 20 Elektro- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge auf eine öffentlichen Ladepunkt. Ingolstadt liegt somit weit unter dem Durchschnitt und hat eine sehr gute Lade-infrastruktur. Bei einem Vergleich der acht größten Städte in Bayern liegt Ingolstadt auf Platz 1, d. h. es hat die wenigsten zugelassenen Elektro- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge pro Ladepunkt. Danach folgen Regensburg und Fürth.





