Flächennutzung und Flächenverbrauch
Auswertung zur Flächennutzung und zum Fläechenverbrauch in Ingolstadt zwischen 2015 und 2025.
Flächenfraß auch in Ingolstadt?
Der Boden ist eine endliche Ressource und erfüllt zahlreiche ökologische, wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Funktionen. Die Inanspruchnahme bislang unbebauter Flächen für Wohn-, Gewerbe- und Verkehrszwecke wird vielfach unter den Begriffen „Flächenverbrauch“ oder „Flächenfraß“ diskutiert. Gleichzeitig stehen wachsende Städte vor der Herausforderung, ausreichende Flächen für Wohnen, Arbeiten und Mobilität bereitzustellen.
Ingolstadt zählt seit Jahren zu den dynamischen Wachstumsstädten Bayerns. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen dieser Dynamik vor allem in jüngster Vergangenheit stark verändert haben. Vor diesem Hintergrund analysiert der vorliegende Bericht die Entwicklung der tatsächlichen Flächennutzung im Stadtgebiet Ingolstadts im Zeitraum von 2015 bis 2025 und beleuchtet die wesentlichen Veränderungen der einzelnen Nutzungsarten.
Die in diesem Bericht verwendeten Nutzungsarten entsprechen der Klassifikation der Tatsächlichen Nutzung nach ALKIS. Diese dient der amtlichen Erfassung der tatsächlich vor Ort vorhandenen Flächennutzung. Sie unterscheidet sich daher in ihrer Systematik und Zielsetzung von städteplanerischen Kategorien, die beispielsweise auf planerisch festgesetzten Nutzungen, Baugebieten oder zukünftigen Entwicklungszielen beruhen. Ein direkter Vergleich mit städteplanerischen Flächen- oder Gebietskategorien ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
Zur besseren Lesbarkeit werden die Flächenangaben im Bericht grundsätzlich auf ganze Hektar gerundet. Dadurch können geringfügige Abweichungen bei Summenbildungen und Prozentwerten auftreten. Die Daten stammen aus dem amtlichen Liegenschaftskataster des Vermessungsamtes.
Ausgangssituation 2015
Das Stadtgebiet Ingolstadts umfasst eine Fläche von rund 13 335 ha (133,4 km²). Die größte Flächennutzungskategorie bildeten die Vegetationsflächen mit 7 916 ha, was einem Anteil von 59,4 % an der Gesamtfläche entsprach. Auf die Siedlungsflächen entfielen 3 649 ha beziehungsweise 27,4 % der Stadtfläche. Die Verkehrsflächen nahmen 1 251 ha bzw. 9,4 % der Gesamtfläche ein. Gewässerflächen wiesen mit 520 ha und einem Anteil von 3,9 % den geringsten Flächenanteil auf. Zum Jahresende 2015 lebten 133 323 Einwohnerinnen und Einwohner in Ingolstadt.
Entwicklung 2015 bis 2025
Zwischen 2015 und 2025 stieg laut Melderegister die Einwohnerzahl Ingolstadts von 133 323 auf 145 031 Personen. Dies entspricht einem Bevölkerungszuwachs von rund 11 700 Einwohnern beziehungsweise 8,8 %. Gleichzeitig blieb die Gesamtfläche des Stadtgebietes mit 13 335 ha unverändert.
Siedlungsfläche
Die Siedlungsfläche umfasst in Ingolstadt baulich geprägte Flächen wie Wohnbauflächen, Industrie- und Gewerbeflächen, Flächen gemischter Nutzung sowie Flächen besonderer funktionaler Prägung, beispielsweise für öffentliche Einrichtungen. Darüber hinaus zählen auch Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen, Friedhöfe sowie Flächen für Tagebau, Gruben und Steinbrüche zu den Siedlungsflächen. Die Siedlungsfläche darf jedoch nicht mit der versiegelten Fläche gleichgesetzt werden, da sie neben bebauten Bereichen auch umfangreiche Grün- und Freiflächen umfasst.
Zwischen 2015 und 2025 nahm die Siedlungsfläche in Ingolstadt von rund 3 649 ha auf 3 727 ha zu. Dies entspricht einem Anstieg von knapp 79 ha beziehungsweise 2,2 %. Das entspricht ungefähr der Fläche des Landschaftsschutzgebietes Zucheringer Wäldchen (80,4 ha). Die Siedlungsflächenzunahme verteilt sich, mit wenigen Ausnahmen, relativ gleichmäßig auf die Stadtbezirke.
Innerhalb der Siedlungsflächen verzeichneten insbesondere die Wohnbauflächen einen Zuwachs. Im Jahr 2025 wurden 78 ha beziehungsweise 5,0 % mehr Fläche für Wohnzwecke genutzt als noch 2015. Auch die Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen nahmen um knapp 30 ha (+5,6 %) zu. Die Flächen besonderer funktionaler Prägung erweiterten sich um rund 20 ha (+6,5 %). Darüber hinaus stieg die Friedhofsfläche leicht um 1,4 ha beziehungsweise 3,6 %
Bei der Entwicklung der Industrie- und Gewerbeflächen ist zu berücksichtigen, dass trotz neu entstandener Gewerbeflächen innerhalb des Stadtgebiets umfangreiche Rückbau- und Umnutzungsmaßnahmen stattfanden. Insbesondere der Rückbau der ehemaligen Bayernoil-Raffinerie im Südosten der Stadt mit einer Fläche von über 100 ha beeinflusst die Bilanz erheblich. Auf Teilen des ehemaligen Raffineriegeländes entstanden unter anderem der Audi Sportpark und der IN-Campus. Da die Entwicklung des IN-Campus noch nicht abgeschlossen ist, werden Teile des Areals derzeit noch als vegetationslose Flächen erfasst.
Damit setzte sich die bauliche Entwicklung Ingolstadts fort, wenn auch deutlich langsamer als das Bevölkerungswachstum. Besonders aussagekräftig für die Bewertung der Flächeninanspruchnahme ist die Entwicklung der Siedlungsfläche je Einwohner. Während im Jahr 2015 rechnerisch noch 274 m² Siedlungsfläche je Einwohner zur Verfügung standen, waren es 2025 lediglich 256 m². Trotz der Ausweitung der Siedlungsfläche verringerte sich die Siedlungsfläche je Einwohner somit um rund 18 m² beziehungsweise 6,6%.
Das Bevölkerungswachstum fiel damit deutlich stärker aus als die Zunahme der Siedlungsfläche. Dies deutet auf eine höhere Flächeneffizienz hin. Das Wachstum der Stadt wurde in den vergangenen Jahren somit überwiegend durch Nachverdichtung, Innenentwicklung sowie eine intensivere Nutzung bereits bestehender Siedlungsflächen ermöglicht.
Verkehrsfläche
Die Verkehrsflächen umfassen alle Flächen, die dem Verkehr dienen. Hierzu zählen insbesondere Straßen, Wege, Plätze und Bahnanlagen sowie die zugehörigen Infrastruktureinrichtungen, Verkehrsbauwerke und verkehrsbegleitenden Freiflächen.
Zwischen 2015 und 2025 verringerte sich die Verkehrsfläche in Ingolstadt leicht von 1 251 ha auf 1 245 ha. Dies entspricht einem Rückgang um 6 ha beziehungsweise 0,5 %. Die Verkehrsfläche blieb damit über den gesamten Betrachtungszeitraum nahezu konstant. Der Rückgang ist im Wesentlichen auf die Nutzungsart „Platz“ zurückzuführen. Diese umfasst neben öffentlichen und sonstigen befestigten Platzflächen auch Parkflächen.
Die weitgehend unveränderte Verkehrsfläche verdeutlicht, dass die Verkehrsinfrastruktur nicht im gleichen Maße gewachsen ist wie die Bevölkerung und die Siedlungsfläche. Besonders deutlich wird dies bei der Betrachtung der Verkehrsfläche je Einwohner. Während im Jahr 2015 rechnerisch noch 93,8 m² Verkehrsfläche je Einwohner zur Verfügung standen, waren es 2025 nur noch 85,9 m².
Damit verringerte sich die Verkehrsfläche je Einwohner um rund 8 m² beziehungsweise 8,5 %. Dies weist auf eine intensivere Nutzung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur hin. Gleichzeitig zeigt sich, dass das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre weitgehend ohne eine entsprechende Ausweitung der Verkehrsflächen bewältigt wurde.
Vegetationsfläche
Die Vegetationsflächen umfassen in Ingolstadt insbesondere landwirtschaftlich genutzte Flächen, Waldflächen, Gehölze sowie vegetationslose Flächen (Unland). Hierunter fallen unbebaute Bodenflächen ohne nennenswerten Pflanzenbewuchs, die weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt werden können.
Zwischen 2015 und 2025 verringerte sich die Vegetationsfläche von rund 7 919 ha auf 7 834 ha. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 85 ha beziehungsweise 1,1 %.
Innerhalb dieser Flächenkategorie waren insbesondere die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Umwandlungsprozessen betroffen. Im Jahr 2025 wurden rund 165 ha weniger landwirtschaftlich genutzt als noch 2015, was einem Rückgang von etwa 3,0 % entspricht. Trotz dieser Entwicklung stellt die Landwirtschaft mit einem Anteil von rund 39 % an der Gesamtfläche weiterhin die größte Flächennutzungskategorie im Stadtgebiet dar. Langfristig ist jedoch ein rückläufiger Trend erkennbar.
Auch die Gehölzflächen nahmen im Betrachtungszeitraum um 13 ha beziehungsweise 4,0 % ab. Demgegenüber vergrößerte sich die Waldfläche um knapp 61 ha (+3,4 %). Zudem erhöhte sich die Fläche des Unlands - beziehungsweise der vegetationslosen Flächen - um rund 39 ha, was einem Zuwachs von 7,7 % entspricht.
Wies die Flächennutzung im Jahr 2015 noch etwa 4 ha für Heide und Moore aus, so sind diese Flächennutzungsarten 2025 nicht mehr in Ingolstadt zu finden.
Insgesamt zeigt sich, dass der Rückgang der Vegetationsflächen vor allem auf die Abnahme landwirtschaftlich genutzter Flächen zurückzuführen ist, während Wald- und vegetationslose Flächen im selben Zeitraum Zuwächse verzeichneten.
Der Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Flächen könnte auch mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft zusammenhängen. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Stadtgebiet sank nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung beziehungsweise der Landwirtschaftszählung des Bayerischen Landesamtes für Statistik von 179 Betrieben im Jahr 2010 auf 145 Betriebe im Jahr 2020. Die abnehmende Zahl der Betriebe spricht für eine fortschreitende Konzentration und Umstrukturierung der Landwirtschaft, die neben anderen Faktoren ebenfalls zum Rückgang landwirtschaftlicher Flächen beigetragen haben könnte.
Gewässerfläche
Die Gewässerflächen umfassen alle stehenden und fließenden Gewässer im Stadtgebiet, insbesondere Flüsse, Bäche, Seen und Weiher.
Mit einem Anteil von rund 4 % an der Gesamtfläche stellen die Gewässerflächen die kleinste Flächennutzungskategorie in Ingolstadt dar. Zwischen 2015 und 2025 nahm ihre Fläche um etwa 8 ha zu. Dies entspricht einem Anstieg von 1,6 %.
Die Flächenzunahme fällt im Vergleich zu den übrigen Flächennutzungskategorien zwar gering aus, zeigt jedoch, dass die Gewässerflächen im Betrachtungszeitraum weitgehend stabil geblieben sind.
Fazit
Die Flächennutzungsentwicklung Ingolstadts zwischen 2015 und 2025 zeigt eine insgesamt vergleichsweise flächensparende Stadtentwicklung. Trotz eines Bevölkerungszuwachses von mehr als 11 000 Personen nahm die Siedlungsfläche lediglich um rund 79 ha zu. Gleichzeitig verringerte sich die Siedlungsfläche je Einwohner von 274 auf 256 m². Die Wohnbauflächen waren der wesentliche Wachstumstreiber wohingegen die Vegetationsflächen abnahmen, die Verkehrsflächen blieben stabil.
Die Flächeninanspruchnahme je Einwohner reduzierte sich somit deutlich und verlief entgegen dem bundesweiten Trend. In Deutschland stieg die Siedlungsfläche je Einwohner von 377 m² im Jahr 2015 auf 408 m² im Jahr 2024. Auch in Bayern erhöhte sich die Siedlungsfläche je Einwohner im gleichen Zeitraum von 397 m² auf 419 m². Die Vergleichswerte für Deutschland und Bayern beziehen sich auf das Jahr 2024, da entsprechende Daten für das Jahr 2025 lagen zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch nicht vor.
Insgesamt spricht die Entwicklung dafür, dass Ingolstadt sein Bevölkerungswachstum zunehmend durch Innenentwicklung und eine effizientere Nutzung bestehender Siedlungsflächen bewältigt.



