Solarenergie in Ingolstadt
Auswertung zur Solarbundesliga und Entwicklung der Solarenergie in Ingolstadt bis 2016.
2. Platz im deutschen Großstadtvergleich der Solarbundesliga - Was ist die Solarbundesliga?
Unter der Internetseite www.solarbundesliga.de können Kommunen Daten zur Solarenergie in ihrer Stadt melden. Mittels eines ausgeklügelten Berechnungsverfahrens werden dort Punkte für installierte Anlagen zur Solarthermie und zur Fotovoltaik vergeben. In übersichtlicher Tabellenform werden die Rangplätze nach diesen Punkten in verschiedenen Kategorien (im Falle Ingolstadts „Großstädte“) dargestellt.
Die Solarbundesliga ist die einzige Möglichkeit, dass sich Städte, Landkreise und Gemeinden miteinander hinsichtlich der installierten Anlagen und Leistungen der Solarenergie vergleichen können.
Welche Daten werden erhoben und woher kommen diese?
Die Anzahl der Fotovoltaik-Anlagen (Stromerzeugung) und deren Leistung in kW werden aus Angaben der Stadtwerke Ingolstadt berechnet. Jede geförderte Anlage ist hier registriert.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert fast alle Anlagen der Solarthermie (Solaranlagen zur Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung). Deren Anzahl und Flächen in qm werden aus dem Internetportal www.solaratlas.de entnommen; in früheren Jahren wurden die Daten direkt beim BAFA erfragt.
Hinzu kommen noch Flächen und Leistung von Anlagen, die in früheren Jahren über das Umweltamt gefördert wurden, und beispielsweise einige Anlagen, die von der städtischen Tochter IFG im Güterverkehrszentrum (GVZ) gebaut und nicht vom BAFA gefördert wurden.
Ingolstadt ist Vizemeister bei den Großstädten in Deutschland
In der Kategorie Großstädte belegt Ingolstadt deutschlandweit den zweiten Platz und erhielt eine Urkunde als Vizemeister der Solarbundesliga in der Kategorie Großstädte.
Insgesamt 731 Punkte wurden für Ingolstadts Solarenergie angerechnet. Die erstplatzierte Stadt Ulm kam auf 848 Punkte, das drittplatzierte Kaiserslautern auf 720 Punkte. An vierter und fünfter Stelle folgen mit deutlichem Abstand Reutlingen (542 Punkte) und Chemnitz (505 Punkte).
In der Solarthermie verfügt Ingolstadt über eine installierte Fläche von 0,134 qm je Einwohner. Nach Ulm (0,139 qm/Einwohner) ist das der zweithöchste Wert bei den Großstädten.
In der Fotovoltaik sind 301 Watt elektrische Leistung je Einwohner installiert. Das ist der dritthöchste Wert der deutschen Großstädte. Das insgesamt drittplatzierte Kaiserslautern hat hier mit rund 403 Watt/Einwohner die Nase vorne, Ulm liegt mit 371 Watt /Einwohner knapp dahinter.
Unter den Top 10 der deutschen Großstädte befinden sich auch die mit Ingolstadt hinsichtlich der Einwohnerzahl vergleichbaren Großstädte Erlangen (Platz 7), Regensburg (Platz 9) und Fürth (Platz 10). Allerdings erreichen die installierten Flächen bzw. Leistungen der Anlagen bei der Solarthermie und Fotovoltaik nur ca. die Hälfte bis zwei Drittel der Werte Ingolstadts. Die errechneten Punkte liegen mit 401 (Regensburg, Fürth) bzw. 442 (Erlangen) nur bei 55 bis 60 % des Niveaus von Ingolstadt.
Entwicklung in Ingolstadt seit 2005
Ingolstadt verfügt Mitte 2016 über rund 40 000 kW Leistung in der Fotovoltaik und knapp 18 000 qm Solarthermie. Seit 2007 hat sich die Fotovoltaik-Leistung fast verzehnfacht, die Solarthermie hat um ca. 75 % zugelegt. Seit 2010 ist der Zuwachs bei der Solarthermie nur noch marginal, seit 2012 ist auch der Zuwachs bei der installierten Fotovoltaik-Leistung nach Jahren starken Wachstums nur noch 5-10 % jährlich.
Welche Energiemenge wird durch diese Solaranlagen jährlich erzeugt?
Leistung wird oft in kW (Kilowatt angegeben), Arbeit oder Verbrauch in kWh (Kilowattstunden). Bsp.: Eine Fotovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 1 kW erwirtschaftet bei 1 000 Betriebsstunden volle Sonnenleistung 1 000 kWh (Leistung x Stunden)
Solarthermie
Die Solarstrahlung in Deutschland liegt je nach Region zwischen 900 und 1.200 kWh pro Quadratmeter im Jahr. Die Verluste der gesamten Solarthermie Anlage liegen bei rund 50 %, so dass der gesamte Ertrag pro Jahr bei durchschnittlich 450 bis 600 kWh pro Quadratmeter Kollektorfläche liegt (aus: www.solarthermie.net/wirtschaftlichkeit/ertrag).
Nimmt man den Mittelwert von 450 und 600 kWh pro qm, wären 525 kWh pro qm anzusetzen. Bei rund 18 000 qm käme man in Ingolstadt auf einen jährlichen Energieertrag von 9 450 000 kWh oder ca. 9 500 MWh (Megawattstunden).
Rund 10 kWh entsprechen dem Energiegehalt von 1 cbm Gas oder 1 Liter Heizöl. Folglich werden durch die Solarthermie rund 950 000 Liter Heizöl bzw. 950 000 cbm Gas eingespart.
Die Einsparung an CO2 beträgt 2,6 kg je Liter Heizöl oder 2,0 kg je cbm Gas (Quelle: https://www.prima-klima-weltweit.de/co2/kompens-berechnen.php). Somit können durch die thermischen Solaranlagen zwischen 1 900 und knapp 2 500 Tonnen CO2 eingespart werden. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes liegt der Pro-Kopf-Ausstoß jedes Bürgers in Deutschland im Durchschnitt bei 11,5 Tonnen. Die thermischen Solaranlagen kompensieren somit den gesamten CO2-Ausstoss von rund 200 Ingolstädtern.
Photovoltaik
„… pro Kilowattpeak kann man jährlich mit einem Solar-Ertrag von 950 bis 1 200 Kilowattstunden rechnen.“ (aus: http://www.solaranlagen-portal.com/solar/wirtschaftlichkeit/ertrag)
Nimmt man vorsichtig geschätzt rund 1 000 kWh Energieertrag pro installierter Leistung von 1 kW an (viele ältere Anlagen haben noch eine etwas geringere Effizienz bzw. die Leistung lässt im Laufe der Zeit etwas nach), käme man für die 40 000 kW in Ingolstadt auf rund 40 Millionen kWh oder 40 000 MWh Energieertrag.
Nimmt man den Durchschnittsverbrauch 2014 von rund 3 300 kWh je Haushalt an (Quelle: Statistisches Bundesamt), könnte man mit den Fotovoltaik-Anlagen in Ingolstadt theoretisch den Strombedarf von über 12 000 Haushalten decken. Ingolstadt hat derzeit rund 65 000 Haushalte. Der Anteil der privaten Haushalte am Gesamtstromverbrauch liegt bei rund 26 %. Den meisten Strom verbrauchen dagegen Industrie und Gewerbe.
Fazit
Ingolstadt steht bei der Energiegewinnung aus der Sonne im Großstadtvergleich innerhalb Deutschlands sehr gut da.
Wohl aufgrund der finanziell weniger lukrativen Förderung haben sich die Zuwachsraten bei den Anlagen und deren Leistung in den letzten 3-4 Jahren stark vermindert. Zuvor gab es seit 2007 bis 2012 hohe Zuwachsraten vor allem bei der Fotovoltaik. Die konsequente Nutzung der Dächer vieler Hallen des GVZ trug viel für die Stromerzeugung aus Sonnenlicht bei.
Hinsichtlich der Energieeinsparung und der CO2-Bilanz sind die Solaranlagen ein wichtiger Faktor in Richtung auf eine zunehmende Nutzung regenerativer Energien, was in Europa, in Deutschland, in Bayern und auch in Ingolstadt erklärtes Ziel ist.
Die Zahlen zeigen zwar, dass die Solaranlagen mehr als nur ein paar Tropfen auf einen heißen Stein sind, es sind aber noch große Anstrengungen nötig, will man die gesteckten Kima- und Energieziele erreichen.

