Flächennutzung und Flächenverbrauch
Auswertung zur Flächennutzung und zum Fläechenverbrauch in Ingolstadt bis 2014 im Stadt- und Regionalvergleich.
Flächennutzung in Ingolstadt
Das Bayerische Landesamt für Statistik gibt jährlich zum Stand jeweils 31.12. eine Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung, basierend auf einer statistischen Auswertung des automatisierten Liegenschaftskatasters der bayerischen Vermessungsämter heraus.
Ingolstadt verfügt über ein Stadtgebiet von 133,4 km² und ist mit 974 Einwohnern pro Quadratkilometer die am wenigsten dicht besiedelte Großstadt in Bayern. Viele früher eigenständige Gemeinden des umliegenden Landkreises wurden im Rahmen der Gebietsreform 1972 in die kreisfreie Stadt Ingolstadt eingegliedert. Als Folge weist die Stadt Ingolstadt immer noch eine teils ländliche Bebauungsstruktur mit einem hohen Anteil an Landwirtschaftsflächen auf.
Die Stadtgebiete vergleichbarer Großstädte wie Regensburg, Erlangen, Fürth und Würzburg weisen nur 63 bis 81 km² auf. Die Besiedlungsdichte liegt bei rund 1 400 bis 1 900 Einwohnern je km². Wesentlich höhere Dichten sind erwartungsgemäß in den beiden größten Städten Bayerns, München (ca. 4 600 Einw. je km²) und Nürnberg (ca. 2 700 Einw. je km²) zu finden.
Auch der Anteil von rund 55 % an Landwirtschafts- und Waldflächen (ca. 54 km² Landwirtschaft und 21 km² Wald) zeugt im Vergleich zu den anderen bayerischen Großstädten von der städtisch-ländlichen Siedlungsstruktur.
Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche liegt bei rund 36 % (rund 49 km²). In den Landkreisen der Region ist dieser Anteil deutlich niedriger. Bei den anderen Großstädten in Bayern liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen höher als in Ingolstadt. Dies ist ebenfalls ein Hinweis auf die gemischt städtische und ländliche Struktur im Ingolstädter Stadtgebiet.
Wenn man die Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner betrachtet, ergibt sich ein ganz anderes Bild:
Die Großstädte in Bayern liegen alle unter dem Wert für Ingolstadt, was der vergleichsweise geringeren Gesamtfläche dieser Städte geschuldet ist. München z. B. hat rund das Zehnfache an Einwohnern, aber nur etwa das 2,5-fache der Fläche von Ingolstadt. Augsburg hat rund doppelt so viele Einwohner wie Ingolstadt, aber nur 144 km² Gebietsfläche, gerade 14 km² mehr als Ingolstadt.
In den Landkreisen der Region liegt die Inanspruchnahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen je 1 000 Einwohner ca. 2,5-mal so hoch wie in der Stadt. Hier spielt natürlich auch der geringere Bodenpreis im ländlichen Gebiet eine wichtige Rolle. Siedlungstätigkeit in den Landkreisen bedeutet also auch eine deutlich höhere Flächeninanspruchnahme und damit einen höheren Flächenverbrauch als in der Stadt.
Entwicklung der Flächennutzung
Wirtschaftlich gesehen ist Boden (Fläche) einer der drei klassischen Produktionsfaktoren (Arbeit, Boden, Kapital) und für jede wirtschaftliche Tätigkeit ist die Nutzung von Fläche notwendig. Auch die Wohnfunktion, eine der Grundfunktionen des menschlichen Daseins, kommt ohne Flächeninanspruchnahme nicht aus. Die Nutzung von Bodenflächen schafft also sozusagen die Grundlage für menschliche Daseinsfunktionen.
Ökologisch betrachtet bedeutet Flächenverbrauch aber auch die irreversible Umgestaltung der nicht erneuerbaren Ressource Boden. Mit dem Flächenverbrauch wird Boden verdichtet, versiegelt und umgelagert. Die Folgewirkungen hohen Flächenverbrauchs sind Zersiedelung, Einschränkung der natürlichen Bodenfunktionen, Verlust von Lebensräumen, Zerschneidung der Landschaft, Reduktion der Wasserversickerung; Verschärfung von Hochwasser, verändertes Kleinklima und eine abnehmende Flächenauslastung mit kostspieliger Bereitstellung der Infrastruktur.
Je nach der Art und Weise, wie sparsam, nachhaltig und intelligent mit der raren Ressource Boden umgegangen wird, entscheidet sich die zukünftige Lebensqualität z. B. einer Stadt. Im wahrsten Sinn des (Sprich-)Wortes kann man „Boden gut machen“ oder sich auch Zukunftschancen „verbauen“.
Die Daten vor 2011 lassen sich nicht mehr ohne weiteres mit den Daten ab 2011 vergleichen, da eine andere und verbesserte Erfassungsmethode (über ALKIS) gewählt wurde. Deshalb soll hier nur die Entwicklung seit 2011 bis 2014 dargestellt werden.
Insgesamt nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche innerhalb der letzten 3 Jahre um knapp 100 ha zu (im Diagramm die Summe aller Flächen von den Wohnflächen bis zu den Verkehrsflächen).
Die Siedlungs- und Verkehrsflächen sind jedoch nicht nur versiegelte Flächen, es gehören dazu auch die Erholungsflächen, die stark zugenommen haben, sowie auch die den Gebäuden zugeordneten Freiflächen (Gärten, Grünanlagen etc.)
Die Flächen für Landwirtschaft sind die hauptsächliche Ressource für diese Flächenzunahme der Siedlungstätigkeit, in geringem Maße auch das sogenannte „Unland“. Die Waldflächen dagegen konnten deutlich zulegen.
Fazit
Ingolstadt hat ein vergleichsweise großes Stadtgebiet. Dies bedingt eine gemischt städtisch-ländlichen Siedlungsstruktur der Stadt. Deshalb ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner höher als in den anderen bayerischen Großstädten.
Im Vergleich zu den umliegenden Landkreisen der Region Ingolstadt ist der Verbrauch an Siedlungsflächen je Einwohner in Ingolstadt relativ gering, nämlich nur ca. 40% des Wertes in den Landkreisen.
Die Siedlungs- und Verkehrsflächen in der Stadt Ingolstadt haben seit 2011 zugenommen, ebenso die Waldflächen. Deutlich abgenommen haben dagegen die Landwirtschaftsflächen.
Die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Ingolstadt kann eindeutig auf ein sehr hohes Einwohner-, Arbeitsplatz- und Wirtschaftswachstum zurückgeführt werden.




