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Flächennutzung und Flächenverbrauch

Umwelt und Flächennutzung

Auswertung zur Flächennutzung und zum Fläechenverbrauch in Ingolstadt bis 2014 im Stadt- und Regionalvergleich.

Autor/-in

Sachgebiet 10/4 Statistik und Stadtforschung

Veröffentlichungsdatum

1. Oktober 2015

Flächennutzung in Ingolstadt

Das Bayerische Landesamt für Statistik gibt jährlich zum Stand jeweils 31.12. eine Flächener­hebung nach Art der tatsächlichen Nutzung, basierend auf einer statistischen Auswertung des auto­matisierten Liegenschaftskatasters der bayerischen Vermessungsämter heraus.

Diagramm: Flächennutzung in Ingolstadt zum 31.12.2014

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Grafik und Berechnungen: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Ingolstadt verfügt über ein Stadtgebiet von 133,4 km² und ist mit 974 Einwohnern pro Quad­ratkilometer die am wenigsten dicht besiedelte Großstadt in Bayern. Viele früher eigenstän­dige Gemeinden des umliegenden Landkreises wurden im Rahmen der Gebietsreform 1972 in die kreisfreie Stadt Ingolstadt eingegliedert. Als Folge weist die Stadt Ingolstadt immer noch eine teils ländliche Bebauungsstruktur mit einem hohen Anteil an Landwirtschaftsflächen auf.

Tabelle: Siedlungs- und Verkehrsfläche im Städte- und Regionalvergleich

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Grafik und Berechnungen: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Die Stadtgebiete vergleichbarer Großstädte wie Regensburg, Erlangen, Fürth und Würzburg weisen nur 63 bis 81 km² auf. Die Besiedlungsdichte liegt bei rund 1 400 bis 1 900 Einwoh­nern je km². Wesentlich höhere Dichten sind erwartungsgemäß in den beiden größten Städten Bayerns, München (ca. 4 600 Einw. je km²) und Nürnberg (ca. 2 700 Einw. je km²) zu finden.

Auch der Anteil von rund 55 % an Landwirtschafts- und Waldflächen (ca. 54 km² Landwirt­schaft und 21 km² Wald) zeugt im Vergleich zu den anderen bayerischen Großstädten von der städ­tisch-ländlichen Siedlungsstruktur.

Diagramm: Siedlungs- und Verkehrsfläche im Städte- und Regionalvergleich in Prozent

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Grafik und Berechnungen: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche liegt bei rund 36 % (rund 49 km²). In den Land­kreisen der Region ist dieser Anteil deutlich niedriger. Bei den anderen Großstädten in Bayern liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen höher als in Ingolstadt. Dies ist ebenfalls ein Hinweis auf die gemischt städtische und ländliche Struktur im Ingolstäd­ter Stadtgebiet.

Wenn man die Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner betrachtet, ergibt sich ein ganz anderes Bild:

Die Großstädte in Bayern liegen alle unter dem Wert für Ingolstadt, was der vergleichsweise geringeren Gesamtfläche dieser Städte geschuldet ist. München z. B. hat rund das Zehnfache an Einwohnern, aber nur etwa das 2,5-fache der Fläche von Ingolstadt. Augsburg hat rund doppelt so viele Einwohner wie Ingolstadt, aber nur 144 km² Gebietsfläche, gerade 14 km² mehr als Ingolstadt.

In den Landkreisen der Region liegt die Inanspruchnahme von Siedlungs- und Verkehrsflä­chen je 1 000 Einwohner ca. 2,5-mal so hoch wie in der Stadt. Hier spielt natürlich auch der geringere Bodenpreis im ländlichen Gebiet eine wichtige Rolle. Siedlungstätigkeit in den Landkreisen bedeutet also auch eine deutlich höhere Flächeninanspruchnahme und damit einen höheren Flächenverbrauch als in der Stadt.

Diagramm: Siedlungs- und Verkehrsfläche im Städte- und Regionalvergleich je 1000 Einwohner

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Grafik und Berechnungen: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Entwicklung der Flächennutzung

Wirtschaftlich gesehen ist Boden (Fläche) einer der drei klassischen Produktionsfaktoren (Ar­beit, Boden, Kapital) und für jede wirtschaftliche Tätigkeit ist die Nutzung von Fläche not­wen­dig. Auch die Wohnfunktion, eine der Grundfunktionen des menschlichen Daseins, kommt ohne Flächeninanspruchnahme nicht aus. Die Nutzung von Bodenflächen schafft also sozu­sagen die Grundlage für menschliche Daseinsfunktionen.

Ökologisch betrachtet bedeutet Flächenverbrauch aber auch die irreversible Umgestaltung der nicht erneuerbaren Ressource Boden. Mit dem Flächenverbrauch wird Boden verdichtet, ver­siegelt und umgelagert. Die Folgewirkungen hohen Flächenverbrauchs sind Zersie­delung, Einschränkung der natürlichen Bodenfunktionen, Verlust von Lebensräumen, Zer­schneidung der Landschaft, Reduktion der Wasserversickerung; Verschärfung von Hochwas­ser, verän­dertes Kleinklima und eine abnehmende Flächenauslastung mit kostspieliger Bereit­stellung der Infrastruktur.

Je nach der Art und Weise, wie sparsam, nachhaltig und intelligent mit der raren Ressource Boden umgegangen wird, entscheidet sich die zukünftige Lebensqualität z. B. einer Stadt. Im wahrsten Sinn des (Sprich-)Wortes kann man „Boden gut machen“ oder sich auch Zukunfts­chancen „verbauen“.

Die Daten vor 2011 lassen sich nicht mehr ohne weiteres mit den Daten ab 2011 vergleichen, da eine andere und verbesserte Erfassungsmethode (über ALKIS) gewählt wurde. Deshalb soll hier nur die Entwicklung seit 2011 bis 2014 dargestellt werden.

Diagramm: Veränderung der Flächennutzung in ha 2011-2014

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Grafik und Berechnungen: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Insgesamt nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche innerhalb der letzten 3 Jahre um knapp 100 ha zu (im Diagramm die Summe aller Flächen von den Wohnflächen bis zu den Ver­kehrsflächen).

Die Siedlungs- und Verkehrsflächen sind jedoch nicht nur versiegelte Flächen, es gehören dazu auch die Erholungsflächen, die stark zugenommen haben, sowie auch die den Gebäu­den zugeordneten Freiflächen (Gärten, Grünanlagen etc.)

Die Flächen für Landwirtschaft sind die hauptsächliche Ressource für diese Flächenzunahme der Siedlungstätigkeit, in geringem Maße auch das sogenannte „Unland“. Die Waldflächen dagegen konnten deutlich zulegen.

Fazit

  • Ingolstadt hat ein vergleichsweise großes Stadtgebiet. Dies bedingt eine ge­mischt städ­tisch-ländlichen Siedlungsstruktur der Stadt. Deshalb ist die Sied­lungs- und Ver­kehrsfläche je Einwohner höher als in den anderen bayeri­schen Großstädten.

  • Im Vergleich zu den umliegenden Landkreisen der Region Ingolstadt ist der Ver­brauch an Siedlungsflä­chen je Einwohner in Ingolstadt relativ gering, nämlich nur ca. 40% des Wertes in den Landkreisen.

  • Die Siedlungs- und Verkehrsflächen in der Stadt Ingolstadt haben seit 2011 zuge­nommen, ebenso die Waldflächen. Deutlich abgenommen haben dagegen die Landwirtschaftsflächen.

  • Die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Ingolstadt kann eindeutig auf ein sehr hohes Einwohner-, Arbeitsplatz- und Wirtschaftswachstum zurück­geführt werden.