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  • Baugenehmigungen als Hinweis auf zukünftige Entwicklungen
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Kleinräumige Bevölkerung nach Stadt- und Unterbezirken

Kleinräumige Statistik

Analyse der kleinräumigen Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ingolstadt nach Stadt- und Unterbezirken (Entwicklungen bis 2019).

Autor/-in

Helmut Schels

Veröffentlichungsdatum

1. August 2020

Datengrundlagen

Die amtlichen Statistiken des Bayerischen Landesamtes für Statistik liefern nur Daten für die gesamte Stadt, den gesamten Kreis oder die gesamte Gemeinde. Gerade für größere Städte ist das für Entscheidungen und Planungen oft nicht ausreichend. Will man wissen, wie es um Teilgebiete der Stadt steht, z. B. Stadtbezirke, müssen sich die größeren Städte das selbst berechnen. Zu diesem Zweck haben fast alle größeren Städte und insbesondere Großstädte eine aus Datenschutzgründen abgeschottete Statistikstelle.

Die hauptsächliche Datenquelle für diese Auswertungen ist das Melderegister, aus dem in aufwändigen Verfahren Einwohnerdaten und deren Struktur (Alter, Geschlecht, Nationalität etc.) gewonnen werden. Weitere wichtige Quellen, die teils vom Bayerischen Landesamt für Statistik, teils von der Bundesagentur für Arbeit nur an diese abgeschotteten Statistikstellen geliefert werden dürfen, sind die Baustatistiken, das Unternehmensregister, die Arbeitsmarktstatistiken und weitere. Daneben werden auch weitere Daten aus der Verwaltung gewonnen, z. B. die Flächennutzungen im Stadtgebiet.

Die Daten werden entweder als Einzeldaten oder in sehr kleinräumiger Gliederung geliefert. Sie unterstehen strengem Datenschutz und können dann nach Gebieten wie den Stadtbezirken oder Unterbezirken, aber auch z. B. nach Schulsprengeln ausgewertet werden.

Nachfolgend werden einige ausgewählte Daten und Themen näher analysiert und dargestellt.

Einwohnerentwicklung in den Stadtbezirken

Mit rund 1 900 Einwohnern Zuwachs wies der Stadtbezirk Südost die stärkste Bevölkerungsdynamik von 2014 bis 2019 auf und hat jetzt den Nordwesten als zweitgrößten Stadtbezirk abgelöst. Auch die Stadtbezirke Mitte und Nordost mit je einem Zuwachs von über 700 Einwohnern, Friedrichshofen-Hollerstauden mit annähernd 1 000 Personen Zunahme und der Bezirk Süd mit über 800 Einwohnern mehr gehören zu den Wachstumspolen der Stadt in den letzten fünf Jahren. Die Stadtbezirke Etting und Nordwest stagnierten seit 2014, der Südwesten hatte nur rund 150 Personen Zuwachs.

Diagramm: Einwohnerbestand-Vergleich nach Stadtbezirke 2014 und 2019

Quelle: Melderegister // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Geburten und Sterbefälle 2019

Im Jahr 2019 war der Stadtbezirk Südost auch derjenige mit den höchsten Geburtenzahlen (250, Werte auf 5 gerundet). Viele Babys gab es auch im bevölkerungsreichsten Bezirk Nordosten (210) und erstaunlicherweise in der Mitte (180). Dahinter verzeichneten noch die Stadtbezirke Nordwest (175), Münchener Straße (160) und Friedrichshofen-Hollerstauden (150) häufig Nachwuchs.

Diagramm: Geburten und Sterbefälle in den Stadtbezirken 2019

Quelle: Melderegister // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Besonders hohe Zahlen an Sterbefällen gab es in den zentralen Stadtbezirken Mitte (175), Nordwest (180), Nordost (190) und Südost (160). Die Stadtbezirke Südost (+90), Süd (+50), Münchener Straße (+40) und Friedrichshofen-Hollerstauden (+30) haben den höchsten natürlichen Saldo (Geburten abzüglich Sterbefälle).

Kinder und Jugendliche sowie Senior/-innen in den Stadtbezirken

Die Anteile an Kindern und Jugendlichen, der Einwohner bis unter 18 Jahren, sind in den am Stadtrand gelegenen Stadtbezirken West, Etting und Süd mit jeweils über 20 bzw. 21% sehr hoch. Am geringsten ist deren Anteil in der Mitte (knapp 13%) sowie in den Stadtbezirken Friedrichshofen-Hollerstauden (gut 15%) und Münchener Straße (knapp 15%).

In absoluten Zahlen gibt es allerdings die höchste Anzahl an Kindern und Jugendlichen im Nordwesten (ca. 3 200), im Nordosten (ca. 3 400) und im Südosten (gut 3 100). Damit befinden sich 42% aller unter 18-Jährigen in diesen drei zentralen Bezirken.

Bei den Senior*innen sind die Unterschiede zwischen den niedrigsten Anteilen in Süd und in Etting (ca. 16%) und den höchsten Anteilen in Südwest (20,6%) sowie in Oberhaunstadt (19,5%) und Nordwest (19%) nicht so gravierend. Dazwischen reihen sich die restlichen Stadtbezirken mit Werten von rund 17 bis 18,7% ein.

Auch hier sind die absoluten Zahlen der Senioren*innen – wie bereits bei den Kindern und Jugendlichen - in den Stadtbezirken Nordwest (gut 3 400), Nordost (rund 3 800) und Südost (knapp 3 400) am höchsten. Auch hier bedeuten die rund 10 600 Personen in diesen drei Bezirken ab 65 Jahren einen Anteil von rund 42% an den 25 200 in der ganzen Stadt.

Diagramm: Anteil unter 18-Jährige in den Stadtbezirken Ingolstadt 2019

Quelle: Melderegister // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Diagramm: Anteil ab 65-Jährige in den Stadtbezirken in Ingolstadt 2019

Quelle: Melderegister // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Baugenehmigungen als Hinweis auf zukünftige Entwicklungen

Der Bauüberhang zum 31.12.2019 (genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen) in Höhe von rund 2 900 Wohnungen zeigt sehr anschaulich, wo in den nächsten zwei bis drei Jahren die Bevölkerung stark wachsen wird.

Demnach wäre in den nächsten Jahren vor allem im Nordosten und Südosten, in etwas geringerem Umfang im Nordwesten, mit einem Bevölkerungswachstum durch Zuziehende und Umziehende zu rechnen. Auch Oberhaunstadt, Friedrichshofen-Hollerstauden, Münchener Straße, Südwest und Mitte hätten mit rund 100 bis über 200 bereits genehmigten Wohnungen ein gewisses Wachstumspotenzial.

Außer durch Zuzüge in Neubauwohnungen verändern sich die Bevölkerungszahlen in den Stadtbezirken auch durch Wegzüge, innerstädtische Umzüge, Geburten und Sterbefälle

Diagramm: Bauüberhang in den Stadtbezirken Ingolstadt 2019

Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Anstatt dem etwas aufwändig zu berechnenden Bauüberhang kann man auch einfacherweise auch die Baugenehmigungen der letzten beiden Jahre 2018 und 2019 als Indikator für zukünftige Bevölkerungszuwächse verwenden. Das Muster bleibt annähernd das Gleiche.

Diagramm: Genehmigte Wohnungen 2018 und 2019 in Ingolstadt

Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Flächennutzung in den Stadtbezirken

Die Besiedlungsdichte eines Gebietes gibt schon einmal einen ersten Anhaltspunkt über die Bedingungen des Zusammenlebens an einem Ort. Hohe Besiedlungsdichte kann allerdings nicht nur einseitig als negativer Tatbestand bewertet werden, sondern hat auch positive Seiten. Ein gut funktionierendes und bezahlbares öffentliches Nahverkehrssystem benötigt ein gewisses Maß an Bevölkerungsdichte.

Diagramm: Besiedelungsdichte in Einwohner je km² in den Stadtbezirken Ingolstadt 2019

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Mit über 4 000 Einwohner je km² ist der Nordosten am dichtesten besiedelt. Mit über 3 200 Einwohnern auf dem Quadratkilometer steht der Nordwesten an zweiter Stelle. Würde man jedoch die Fläche des Nordwestens um die vielen Industrieflächen verkleinern (dort wohnt niemand), käme eine wesentlich höhere Besiedlungsdichte zu Tage. Auch der Bezirk Münchener Straße gehört mit annähernd 3 000 Menschen auf einen km² zu den dichter bebauten Stadtbezirken.

Für die alltägliche Lebensqualität spielt auch die zur Verfügung stehende Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche eine wichtige Rolle.

Diagramm: Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen in m² je Einwohner

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Während im Stadtbezirk Mitte (u. a. Glacis) und West mehr als 100 m² Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche zur Verfügung stehen, sind es im Nordosten nur 13 m², im Nordwesten nur 12 m² und im Stadtbezirk Münchener Straße gar nur 9 m² je Einwohner. Die hohen Besiedlungsdichten ließen offenbar nur noch wenig Platz für Grün, Sport, Freizeit und Erholung.

Unternehmen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Das statistische Unternehmensregister wird einmal jährlich den abgeschotteten Statistikstellen zur Verfügung gestellt. Neben der Anzahl an Betrieben und den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gibt es dort eine sehr detaillierte Unterscheidung nach Wirtschaftsbereichen. Nachfolgend wird dargestellt, wo im Stadtgebiet die meisten Betriebe sind und wo die meisten Menschen arbeiten.

Diagramm: Betriebe nach Stadtbezirken Ingolstadt 2019

Quelle: Unternehmensregister // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Diagramm: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Arbeitsort zum 30.06.2019

Quelle: Bundesagentur für Arbeit // Berechnungen und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Die meisten der rund 5 300 Betriebe gibt es im Bezirk Mitte (ca. 1 300). Der Südosten mit 700 (Gewerbegebiet Südost), der Nordosten mit 640 (verschiedene Gewerbegebiete) sowie der Stadtbezirk Münchener Straße mit 564 sowie Friedrichshofen-Hollerstauden mit gut 400 Betrieben zählen weiterhin zu den Wirtschafts- und Arbeitsplatzzentren der Stadt.

Hinsichtlich der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dominiert Audi mit laut Geschäftsbericht knapp 45 000 Beschäftigten den Nordosten. Obwohl die meisten Betriebe im Stadtbezirk Mitte zu finden sind, arbeiten doch im Bezirk Südost in den 700 Betrieben knapp 11 900 Personen; das sind rund 300 mehr als im Stadtbezirk Mitte (ca. 11 600). Der Stadtbezirk Friedrichshofen-Hollerstauden hat ebenfalls weniger Betriebe (417) als der Stadtbezirk Münchener Straße (564), doch arbeiten in Friedrichshofen-Hollerstauden – wohl bedingt durch das Klinikum mit knapp 3 000 Beschäftigten – 7 350 Personen, im Stadtbezirk Münchener Straße dagegen nur 5 100. Mit knapp 9 000 Beschäftigten ist der Nordosten ebenfalls ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsort.