Bevölkerungsentwicklung 2025
Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ingolstadt mit den wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen.
Allgemeine Hinweise
Die nachfolgenden aktuellen Zahlen für das Jahr 2025 und den Stichtag 31.12.2025 wurden aus den Daten des Ingolstädter Melderegisters berechnet. Während es amtliche Daten nur für die gesamte Stadt gibt, erlauben die Melderegisterdaten einen tieferen Einblick. So ist es beispielsweise möglich, auch Teilgebiete wie Stadtbezirke oder Schulsprengel zu berechnen. Diese berechneten Daten sind eine wichtige Planungsgrundlage für Entscheidungen und Planungen – nicht nur für die Stadtverwaltung.
Bevölkerungsentwicklung insgesamt
Zwischen den amtlichen Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik und dem Ingolstädter Melderegister gibt es systembedingt eine Differenz. So lag die amtliche Einwohnerzahl zum 30.09.2025 bei 140 717 Personen, während im Ingolstädter Melderegister zum gleichen Stichtag 144 821 Personen mit Hauptwohnsitz registriert waren. Somit ergibt sich eine Abweichung von knapp 4 100 Einwohnern. Grund dafür ist, dass die amtlichen Einwohnerzahlen auf dem letzten Zensus (2022) basieren und durch Daten zu Geburten, Sterbefällen sowie Zu- und Fortzügen fortgeschrieben werden. Ein Abgleich der Melderegister mit den durch den Zensus ermittelten Korrekturen ist aufgrund des Rückspielverbots jedoch nicht erlaubt. Dadurch kommt es dauerhaft zu einer gewissen Differenz zwischen den Melderegisterzahlen und der amtlichen Einwohnerzahl.
Zwischen 2014 und 2018 wuchs die Zahl der im Ingolstädter Melderegister erfassten Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnsitz von rund 131 700 auf etwa 138 200 Personen. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 6 500 Menschen. Im Jahr 2020 kam es erstmals seit vielen Jahrzehnten zu einem leichten Rückgang der Bevölkerungszahl. Dieser ist auf Abwanderungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zurückzuführen. Bereits 2021 setzte wieder ein geringes Wachstum ein. Ein Jahr später stieg die Bevölkerungszahl – insbesondere durch Fluchtbewegungen, insbesondere aus der Ukraine, sowie durch die Rückkehr während der Pandemie abgewanderter ausländischer Arbeitskräfte – um etwa 3 000 Personen auf knapp 142 400 Einwohnerinnen und Einwohner. In den Folgejahren verzeichnete die Stadt weitere Zuwächse. So waren es im Jahr 2023 rund 1 200 Personen mehr und im Jahr 2024 kamen nochmals mehr als 1 850 Menschen hinzu. Zum 31.12.2025 waren 145 031 Personen mit Hauptwohnsitz in Ingolstadt registriert. Auf den ersten Blick deutet dies auf einen Rückgang von über 400 Personen hin. Um diese Abnahme zu erklären, reicht eine oberflächliche Betrachtung jedoch nicht aus. Aufschluss darüber geben neben der natürlichen Bewegung vor allem die Wanderungen.
Geburten und Sterbefälle
Zwischen 1972 und 1989 wurden im Durchschnitt 1 000 Kinder pro Jahr geboren. Ab Beginn der 1990er Jahre stieg diese Zahl um circa 200 Geburten pro Jahr. Zwischen 2005 und 2010 kam es zu einem leichten Geburtenrückgang. Ab 2012 stieg die Zahl der Geburten wieder deutlich an und erreichte in den Jahren 2018 und 2021 mit über 1 600 Kindern pro Jahr Spitzenwerte. Seit 2023 ist die Zahl der Geburten wieder rückläufig. Im Jahr 2025 wurde mit 1 354 Geburten der niedrigste Stand seit zehn Jahren erreicht.
Die Zahl der Sterbefälle stieg seit 1972 ebenfalls kontinuierlich an. Spitzenwerte wurden hier in den Jahren 2021 und 2022 mit über 1 450 Sterbefällen pro Jahr erreicht. Derzeit sinken die Zahlen leicht. Mit 1 352 Sterbefällen im Jahr 2025 wurde das Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie erreicht.
Bis auf wenige Ausnahmen war der natürliche Saldo in Ingolstadt seit 1972 stets positiv. Im Jahr 2025 belief sich der natürliche Saldo auf + 2 und war somit fast ausgeglichen. Folglich sind Geburten und Sterbefälle nicht die Ursache für den Bevölkerungsrückgang.
Zu- und Wegzüge
Ein Blick auf die untenstehende Grafik zeigt, dass Wanderungsbewegungen erheblichen Schwankungen unterliegen. Diese Bewegungen werden deutlich von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren beeinflusst. Die bayerische Gebietsreform, der Mauerfall und Fluchtbewegungen waren Gründe für das Wachstum Ingolstadts in den letzten Jahrzehnten. Die Ölkrise, die globale Rezession zu Beginn der 1980er Jahre, die Rückkehr jugoslawischer Bürgerkriegsflüchtlinge und die Corona-Pandemie wirkten sich hingegen negativ aus. Auch für das Jahr 2025 wird ein negativer Wanderungssaldo von - 415 verzeichnet. Ein genauerer Blick auf die Wanderungsbewegungen liefert die Gründe.
Seit Anfang der 2010er Jahre kommen deutlich mehr Ausländer als Deutsche in die Stadt. Ab 2013 war der Wanderungssaldo der Deutschen sogar überwiegend negativ. Zwischen 2020 und 2025 verlor Ingolstadt im Durchschnitt 950 Deutsche pro Jahr, während rund 1 900 Ausländer hinzukamen. Mit einem Wanderungssaldo von + 703 lag der Wert im Jahr 2025 jedoch deutlich unter dem der letzten Jahre. Der Wanderungssaldo der Deutschen im Durchschnitt der letzten 5 Jahre blieb mit - 1 118 hingegen relativ stabil. Der Trend, dass weniger Ausländer zuziehen, zeichnet sich derzeit deutschlandweit ab.
Betrachtet man die Staatsangehörigkeiten mit den größten negativen Werten im Wanderungssaldo, fällt auf, dass neben Deutschen vor allem Menschen aus osteuropäischen Staaten wie Rumänien, Kroatien, Polen oder Bulgarien abwandern. Danach folgt gleich Afghanistan, das einen Wanderungssaldo von - 57 aufweist.
Mitte des Jahres wurden in Deutschland verstärkte Grenzkontrollen eingeführt. Dies könnte mit dazu beigetragen haben, dass der Zuzug von Ausländern im Jahr 2025 geringer ausfiel. Hinzu kommt, dass im August 2025 eines von drei ANKER-Zentren (Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete) in Ingolstadt geschlossen wurde. Dadurch kam es in diesen Einrichtungen zu mehr Wegzügen als Zuzügen. Der Wanderungssaldo war speziell in den ANKER-Zentren in den letzten Jahren überwiegend positiv, mit Ausnahme der Jahre der Corona-Pandemie. Mit einem Wert von - 391 wurde der niedrigste Wanderungssaldo seit 2020 erreicht.
Zusammenfassend bedeutet dies, dass der Bevölkerungsrückgang im Jahr 2025 hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass die Zahl der Zuzüge von Ausländern im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunken ist. Die Zahl der Wegzüge blieb dagegen auf einem relativ stabilen Niveau. Ursachen hierfür waren neben Grenzkontrollen unter anderem auch die Schließung eines der vier ANKER-Zentren. Deutlich weniger Flüchtlinge wurden von der Regierung von Oberbayern nach Ingolstadt verteilt.
Nichtsdestotrotz gab es über 9 000 Zuzüge nach Ingolstadt. Wie schon im Vorjahr hatte Indien auch im Jahr 2025 den höchsten Wanderungssaldo aller Staatsangehörigkeiten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Ukrainer und Pakistanis. Das Durchschnittsalter der zehn Staatsangehörigkeiten mit dem höchsten Wanderungssaldo liegt zwischen 25 und 32 Jahren und damit deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtstadt von 41,7 Jahren.
Einwohnerbestand und seine Staatsangehörigkeiten
Von den 145 031 Einwohnern am 31. Dezember 2025 waren 109 956 Deutsche und 35 075 Ausländer. Der Ausländeranteil betrug somit 24,2 %. Knapp 13 Prozent der ausländischen Bevölkerung besaßen die türkische Staatsangehörigkeit. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Wert von rund 4 500 Personen. Auf den weiteren Plätzen folgen Rumänien mit 2 649 und Ukraine mit 2 417 Personen. Im Vergleich zum Jahr 2024 hat sich die Rangfolge kaum verändert. Auf den vorderen Rängen tauschten die Ukraine und Indien die Plätze, und auch auf den mittleren Plätzen kam es zu Verschiebungen. Generell hat sich die Anzahl der Einwohner aller Staatsangehörigkeiten geändert. Bis auf Ukraine (+ 146) und die Indien (+ 133) sanken die Zahlen. Die Anzahl der türkischen Staatsangehörigen sank sogar um über 300 Personen.
Wie oben bereits erwähnt, sind von 2024 auf 2025 die Staatsangehörigkeiten Ukraine und Indien mit einem Anstieg von + 133 und mehr am stärksten gestiegen. Mit großem Abstand folgen dann bei den stärksten Zunahmen Vietnam (+ 52), Iran (+ 37) und der Bangladesch (+ 37).
Zwischen 2015 und 2025 belegen die Ukraine mit einer Zunahme von + 2 192 Personen und Indien mit + 2 047 Personen die ersten beiden Plätze der zehn stärksten Zunahmen von Staatsangehörigen in Ingolstadt. Es folgen Afghanistan mit + 1 146 und der Kosovo mit + 1 079 Personen. Syrien, Kroatien, Bulgarien, Bosnien und Herzegowina, Pakistan und Rumänien folgen mit Werten zwischen knapp 700 und rund 300 Personen. Dies zeigt, dass – mit ein paar Ausnahme wie z.B. Indien – vor allem Staatsangehörige aus Fluchtkontexten und aus Osteuropa in den letzten zehn Jahren nach Ingolstadt gekommen sind.
Einbürgerungen
Seit die Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts Einbürgerungen bereits nach fünf statt wie bisher nach acht Jahren ermöglicht, sind auch in Ingolstadt die Zahlen sprunghaft angestiegen. Während es 2023 noch 658 Einbürgerungen gab, hat sich die Zahl im Folgejahr bereits mehr als verdoppelt (1 451 Einbürgerungen). Im Jahr 2025 stieg die Zahl auf 2 508. Dies bedeutet eine Steigerung von knapp 1 000 Fällen im Vergleich zu 2024. Dieser starke Anstieg hat auch Auswirkungen auf die Einwohnerstruktur. Während Ingolstadt im Jahr 2024 noch einen Ausländeranteil von 25,3 % hatte, sank dieser im Jahr 2025 auf 24,2 %, also um über einen Prozentpunkt. So gibt es in Ingolstadt im Vergleich zum Vorjahr 1 279 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit mehr, obwohl der Wanderungssaldo der Deutschen mit - 1 118 im negativen Bereich liegt.
Mit 352 Einbürgerungen im Jahr 2025 belegen ehemalige türkische Staatsangehörige in Ingolstadt den ersten Platz. Die Plätze zwei und drei belegen mit 292 beziehungsweise 263 Personen Kosovaren und Staatsangehörige aus Bosnien und Herzegowina, die sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschieden haben. Auch ehemalige Inder, Syrer und ehemalige Angehörige der Russischen Föderation sind mit Einbürgerungszahlen von über 120 je Nation zahlenmäßig stark vertreten.
Bevölkerungsentwicklung vs. Bevölkerungsvorausberechnung
Im Herbst 2025 wurde die kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung 2024-2044 vorgestellt. Hier wurde von einem stetigen Bevölkerungswachstum in den nächsten 20 Jahren ausgegangen.
Wie passen nun die Bevölkerungsvorausberechnung und die aktuelle Bevölkerungsentwicklung zusammen? Wie bereits bei den Zu- und Wegzügen erwähnt, unterliegen Wanderungen starken Schwankungen. Es sind diese Bewegungen, die den größten Einfluss auf das Wachstum Ingolstadts haben und sich am schwersten vorhersagen lassen.
Bei der Vorausberechnung wurde der angenommene zukünftige Wanderungssaldo auf die einzelnen Jahre verteilt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte und nicht um punktgenaue Aussagen zum Wanderungsverhalten. Es kann also Jahre mit einem niedrigeren Saldo als angenommen geben, die wiederum durch Jahre mit einem höheren Wanderungssaldo ausgeglichen werden. Die Bevölkerungsvorausberechnung ist somit nicht grundsätzlich falsch, zumal es sich erst um das erste Vorausberechnungsjahr handelt. Zudem bedarf eine Bevölkerungsvorausberechnung viel Vorlaufzeit. Zu Beginn und auch währenddessen waren Entwicklungen wie Grenzkontrollen, die Beendigung des Syrienkriegs oder die Auswirkungen der Schließung des ANKER-Zentrums in der Manchinger Straße nicht abzusehen. Trotzdem wird die Bevölkerungsentwicklung weiterhin im Auge behalten, um durch Ursachenforschung die Annahmen für die zukünftige Bevölkerungsvorausberechnung zu präzisieren.












