Zeit für Nachwuchs?
Analyse der Geburtenentwicklung anhand der Geburtenziffer und Alter der Mütter in Ingolstadt im Vergleich zur Region 10, Bayern, Deutschland und der EU.
Geburtenentwicklung, Fertilität und Mütteralter im regionalen, nationalen und europäischen Vergleich
Die demografische Entwicklung stellt eine zentrale Herausforderung für Städte, Länder und Europa dar. Dabei spielen insbesondere die Geburtenentwicklung, das Fertilitätsniveau und das Alter der Mütter bei der Geburt eine entscheidende Rolle. In diesem Bericht wird die Stadt Ingolstadt in Bezug auf diese Faktoren mit der Region 10, mit vergleichbaren bayerischen Städten, mit dem Bundesland Bayern, mit dem gesamtdeutschen Durchschnitt sowie mit europäischen Vergleichswerten gegenübergestellt, um Besonderheiten und Trends aufzuzeigen.
Als Datengrundlage dienten Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik, des Statistischen Bundesamts (Destatis), des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und von Eurostat. Diese Quellen wurden ausgewählt, da die amtlichen Daten methodisch aufeinander abgestimmt sind. Durch ihre Zusammenführung ist eine einheitliche und nachvollziehbare Analyse möglich. Da die Daten von Eurostat jedoch teilweise nur bis zum Jahr 2023 vorliegen, ist ein Vergleich mit Ingolstadt auf europäischer Ebene nur bis zu diesem Jahr möglich. Die regionalen und nationalen Daten werden hingegen bis zum Jahr 2024 verglichen.
Geburtenentwicklung
Betrachtet man die Entwicklung der Geburten in Ingolstadt, so stellt man fest, dass diese trotz des stetigen Anstiegs Schwankungen unterliegt. Es kommt zu starken Anstiegen, die sich anschließend wieder abschwächen. Dieses Phänomen wird demografische Welle genannt. In Deutschland sind diese insbesondere auf die beiden Weltkriege zurückzuführen, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Deutlich erkennbar sind die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre. Die Geburtenzahlen erreichten von 1963 bis 1967 ihren Höhepunkt in dieser Periode. In dieser Zeit kamen jährlich über 1 200 Kinder zur Welt, bei einer Bevölkerungszahl von zwischen 65 000 bis knapp 70 000 Personen. Diese Geburtenzahlen erreichte Ingolstadt erst wieder in den 1990er Jahren. Zu dieser Zeit wohnten allerdings bereits über 100 000 Personen in Ingolstadt.
Bruttogeburtenziffer
Für einen Vergleich zwischen Städten, Regionen und Ländern ist die absolute Zahl der Geburten jedoch ungeeignet, da mit zunehmender Bevölkerungsgröße auch die Zahl der Geburten steigt. Aus diesem Grund ist die Bruttogeburtenziffer (auch rohe Geburtenziffer genannt) besser geeignet. Sie gibt an, wie viele Geburten pro Jahr auf 1 000 Einwohner kommen. So entstehen vergleichbare Daten, aus denen sich Abweichungen und Trends ablesen lassen.
Region 10
Im Jahr 1972 kam es in Bayern zu einer großen Gebietsreform. Aus diesem Grund ist ein Vergleich der Bruttogeburtenziffer der bayerischen Städte und Landkreise erst ab diesem Zeitpunkt sinnvoll. Andernfalls würde es aufgrund der veränderten Einwohnerzahlen zu einem starken Bruch kommen, der nicht aussagekräftig wäre.
Die Abbildung zeigt, dass die Bruttogeburtenziffer trotz abweichender Zahlen in den Landkreisen Eichstätt, Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen sowie in der Stadt Ingolstadt seit 1972 die gleichen Tendenzen aufweist. Nach einem starken Einbruch der Geburtenziffer zu Beginn der 1970er Jahre stieg sie in den 1980er Jahren wieder an. Ab dem Jahr 2000 sank die Zahl stetig, bis sie um das Jahr 2004 herum ihren Tiefststand erreichte. Ab 2010 nahm die Geburtenziffer wieder zu, 2020 wurde der Scheitelpunkt erreicht und seither sinkt die Geburtenziffer kontinuierlich.
Trotz dieser ähnlichen Tendenz gibt es Unterschiede zwischen der Stadt Ingolstadt und den umliegenden Landkreisen. Bis zur Jahrtausendwende lag die Bruttogeburtenziffer in Ingolstadt mit Werten zwischen 9,4 (1973) und 11,8 (1990) deutlich unter den Werten der Landkreise der Region 10.
Danach wandelte sich das Bild und Ingolstadt wies eine höhere Bruttogeburtenziffer auf. Dieser Trend zeichnet sich bis heute ab.
Vergleichbare bayerische Großstädte
Im Jahr 2014 hatte Ingolstadt mit 11,0 nach München (11,7) die zweithöchste Bruttogeburtenziffer unter den vergleichbaren bayerischen Großstädten. 2024 teilen sich beide Städte mit einem Wert von 10,3 den ersten Platz.
In allen hier dargestellten Großstädten sank die Geburtenrate in den letzten zehn Jahren. Dabei wiesen Regensburg (-5,8 %), Augsburg (-5,9 %) und Ingolstadt (-6,1 %) die geringsten prozentualen Veränderungen auf. Die größten Verluste mussten die Städte Fürth (-12,9 %) und Nürnberg (-12,1 %) hinnehmen. Würzburg hat von allen vergleichbaren Städten in Bayern die niedrigste Bruttogeburtenziffer. Hier wohnen viele Studierende, wodurch die Zahl der Geburten relativ gering ist. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Geburtenrate aus. Dies ist auch bei den Studentenstädten Regensburg und Erlangen erkennbar.
Bayern
Bis Ende der 1990er Jahre verliefen die Entwicklungen der Geburtenraten in Ingolstadt und in Bayern relativ parallel. Der Kipppunkt wurde im Jahr 1998 erreicht. Anschließend drifteten die Geburtenziffern auseinander. Zwar sanken die Zahlen im gesamten Bundesland wie auch in Ingolstadt, doch der Abschwung fiel in Bayern deutlicher aus. So öffnete sich die Schere, und die Bruttogeburtenziffer ist in Ingolstadt seitdem auf einem höheren Niveau, obwohl die Tendenzen vergleichbar geblieben sind.
Auch im Vergleich zu den bayerischen Regierungsbezirken weist Ingolstadt die höchste Bruttogeburtenziffer mit 10,3 im Jahr 2024 auf. Danach folgt Oberbayern mit einem Wert von 9,0. Die niedrigsten Geburtenziffern aller Regierungsbezirke haben Unterfranken (8,0) und Oberfranken (7,5).
Deutschland
In der ehemaligen DDR und in der Bundesrepublik nahm der Babyboom bereits in den 1950er Jahren mit Raten von über 16 Geburten pro Jahr und 1.000 Einwohner erkennbar Fahrt auf. In Ingolstadt setzte dieser Trend dagegen etwas zeitversetzt ein, erreichte dann aber wie im übrigen Land Mitte der 1960er Jahre seinen Höhepunkt. Anfang der 1970er Jahre fiel die Bruttogeburtenziffer dann überall erheblich ab. Es kam zum sogenannten „Pillenknick“, obwohl es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Einführung der Pille und dem Rückgang der Geburtenrate gibt. Dieser ist vielmehr darauf zurückzuführen, dass die geburtenschwachen Jahrgänge der Kriegs- und Nachkriegszeit nun selbst Kinder bekamen. Weniger Eltern führen auch zu weniger Kindern. Entscheidende Faktoren für den Rückgang der Geburtenraten waren auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen wie steigender Wohlstand, die berufliche Selbstverwirklichung von Frauen und höhere Bildungsstandards. Der Begriff „Babyknick” ist daher für diese Entwicklung passender. In Ingolstadt und im früheren Bundesgebiet blieb die Bruttogeburtenziffer von Mitte der 1970er bis Ende der 1980er Jahre relativ stabil. In der ehemaligen DDR stieg die Geburtenrate durch familienpolitische Maßnahmen wie Ehekredite, Wohnungsprogramme für Familien, eine Ausweitung des Kindergelds und der Kinderbetreuung dagegen an. Dieses Phänomen ist auch als „Honecker-Buckel” bekannt. Ab der Wiedervereinigung sinkt die Rate dann in ganz Deutschland. Dies ist unter anderem auf die niedrigen Geburten in den neuen Bundesländern zurückzuführen. In Ingolstadt blieb sie relativ konstant. Ab 2010 steigen die Geburtenraten wieder an. Deutschlandweit allerdings nicht so stark wie in Ingolstadt. Seit 2021 fällt die Geburtenrate überall wieder.
Auch im Vergleich zu den einzelnen Bundesländern hat Ingolstadt die höchste Bruttogeburtenziffer im Jahr 2024. Bei den Bundesländern hat Hamburg mit 9,4 gefolgt von Berlin mit 9,2 die höchsten Geburtenraten. Auffällig ist, dass die Bruttogeburtenziffer in den neunen Bundesländern deutlich geringer ist als in den alten Bundesländern.
Europa
Seit 2013 sinkt die Bruttogeburtenziffer in Europa kontinuierlich. Lag ihr Wert im Jahr 2013 noch bei 9,7, so fiel er 2024 um 1,8 Punkte auf 7,9.
Ingolstadt hatte 2013 hingegen 10,3 Geburten auf 1.000 Einwohner. 2018 stieg dieser Wert auf 12,2 und 2021 auf 11,9, danach sanken die Geburtenraten jedoch wieder und erreichten 2024 das Niveau von 2013.
Anstiege wie dieser sind in Europa 2018 gar nicht bzw. 2021 nur geringfügig erkennbar.
In den einzelnen europäischen Staaten fällt die Bruttogeburtenziffer allerdings unterschiedlich hoch aus. Mit 11,2 Geburten pro 1 000 Einwohner im Jahr 2024 liegen Island und Montenegro an der Spitze. Die niedrigsten Werte wurden in Spanien (6,5), Italien (6,3) und Monaco (5,3) verzeichnet. Zypern hatte im Jahr 2024 mit 10,2 eine vergleichbare Geburtenziffer wie Ingolstadt.
Fertilität und Zusammengefasste Geburtenziffer (Total Fertility Rate = TFR)
Ein noch besserer Indikator für die demografische Entwicklung ist die zusammengefasste Geburtenziffer. Im Gegensatz zur Bruttogeburtenziffer ist sie nicht von der Gesamtbevölkerung (einschließlich Männer, Kinder und älterer Menschen) und deren Altersstruktur abhängig. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Fruchtbarkeit definieren, da sie angibt, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn die Geburtenhäufigkeit aller Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 49 Jahre) eines bestimmten Jahres konstant bliebe. Es handelt sich hierbei um eine hypothetische Zahl, die das aktuelle Geburtenverhalten zusammenfasst, ohne die tatsächliche Altersstruktur der Bevölkerung zu berücksichtigen.
Die Höhe der zusammengefassten Geburtenziffer hat direkten Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung. Benötigt wird eine Ziffer von etwa 2,1 Kindern pro Frau. Nur so kann die Bevölkerung ohne Zuwanderung stabil gehalten werden. Langfristig gesehen führt eine Geburtenziffer, die diesen Wert unterschreitet, zu einer Schrumpfung der Bevölkerung.
Region 10
Im Jahr 2004 lag die zusammengefasste Geburtenziffer in Ingolstadt bei 1,57 Kindern pro Frau. Die Werte der angrenzenden Landkreise waren deutlich niedriger. So hatte der Landkreis Pfaffenhofen in diesem Jahr beispielsweise nur einen Wert von 1,42.
Innerhalb der nächsten zehn Jahre veränderte sich die Situation. Während die TFR in Ingolstadt um 0,02 Punkte sank und mit den Landkreisen Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen gleichzog, stieg die zusammengefasste Geburtenrate im Landkreis Pfaffenhofen auf 1,6. Nach einem Hoch zu Beginn der 2020er Jahre sank die Zahl der Kinder pro Frau in der Region wieder. Im Jahr 2024 lag die zusammengefasste Geburtenziffer zwischen 1,45 im Landkreis Eichstätt und 1,56 im Landkreis Pfaffenhofen.
Vergleichbare bayerische Großstädte
Auch in allen vergleichbaren bayerischen Großstädten sank die Zahl der Geburten pro Frau innerhalb der letzten 10 Jahre. Den stärksten Rückgang hat Würzburg zu verzeichnen. Dort sank die zusammengefasste Geburtenziffer auf einen Wert knapp unter 1 (-18,2%). Danach folgt die Landeshauptstadt München mit einem prozentualen Verlust von 11,6%. In Ingolstadt gab es die geringsten Veränderungen mit -3,2%.
Bayern
In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts lag die Zahl der Geburten pro Frau und Jahr in Ingolstadt über den bayerischen Werten. In den Jahren 2011 und 2012 sank die zusammengefasste Geburtenziffer in Ingolstadt, während sie in Bayern anstieg. In den folgenden Jahren stieg die Tendenz auch in Ingolstadt wieder an. Von 2016 bis 2020 blieb die TFR in Bayern stabil. In Ingolstadt kam es dagegen im Jahr 2018 zu einem starken Anstieg. Im Jahr 2021 wurden bayernweit hohe Zahlen von Geburten pro Frau verzeichnet, die in den darauffolgenden Jahren wieder absanken.
Ein Vergleich der bayerischen Regierungsbezirke mit der Stadt Ingolstadt zeigt, dass Ingolstadt mit 1,50 Geburten pro Frau im Jahr 2024 die Spitzenposition einnimmt. Der Regierungsbezirk Oberbayern hat mit einem Wert von 1,34 die niedrigste TFR aller Regierungsbezirke in Bayern. Schwaben liegt nur 0,2 Punkte hinter Ingolstadt.
Deutschland
Die Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer verlief in Deutschland ähnlich wie in Bayern, sodass sich auch die Unterschiede zu Ingolstadt ähneln. Abweichungen zeigen sich ab dem Jahr 2016: Während die TFR in Deutschland bereits leicht sinkt, bleibt sie in Bayern noch stabil. Die Zahl der Geburten pro Frau stieg im Jahr 2021 nicht ganz so stark an wie in Bayern und in den Folgejahren sanken die Werte stärker.
Die zusammengefasste Geburtenziffer für Deutschland lässt sich noch einmal differenzieren, da sich die Entwicklungen in West- und Ostdeutschland teils erheblich unterscheiden. Vor Beginn der Babyboomer-Jahre war die Zahl der Geburten pro Frau in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland. Danach verliefen die Zahlen bis in die 1970er Jahre relativ gleich, bevor sie im Osten wieder stiegen. Der sogenannte „Honecker-Buckel” ist hier ebenso erkennbar wie bei der Bruttogeburtenziffer. In den Wendejahren sank die TFR dann erheblich in den neuen Bundesländern. Es dauerte bis in die 2000er Jahre, bis das Geburtenniveau der alten Bundesländer erreicht war. Seither verläuft die Entwicklung in beiden Regionen vergleichsweise ähnlich.
In den einzelnen Bundesländern liegt die Spanne der Geburten pro Frau im Jahr 2024 zwischen 1,21 in Berlin und 1,42 in Niedersachsen. Auch hier liegt Ingolstadt über dem Durchschnitt. Auffällig ist, dass die neuen Bundesländer bis auf Hamburg die niedrigsten zusammengefassten Geburtenziffern haben.
Europa
Bis 2013 lag die Zahl der Geburten pro Frau in Europa über dem Wert von Ingolstadt. In den folgenden vier Jahren verlief die Entwicklung auf gleicher Höhe, ab 2018 drifteten die Werte jedoch auseinander. Während die zusammengefasste Geburtenziffer in der EU sank, stiegen die Zahlen in Ingolstadt in den Jahren 2018 und 2021 an, um danach wieder zu sinken.
Mit einer TFR von 1,81 hatte Bulgarien im Jahr 2023 den höchsten europäischen Wert. Mit etwas Abstand folgten Montenegro (1,76) und Georgien (1,71). Die niedrigsten Werte verzeichneten Litauen (1,18), Spanien (1,12) und Malta (1,06). In diesem Jahr lag die Zahl der Geburten pro Frau in Ingolstadt bei 1,48 und damit im Bereich von Nordmazedonien und der Slowakei mit Werten von 1,49 bzw. 1,47 sowie Kroatien und Belgien. Deutschland hatte eine zusammengefasste Geburtenziffer von 1,39 und belegte damit einen Platz im hinteren Mittelfeld.
Durchschnittliches Alter der Mutter bei Geburt
Das Alter der Mutter bei der Geburt ist ein wichtiger demografischer Faktor. Es beeinflusst die Geburtenraten und somit auch die Bevölkerungsentwicklung. Das mütterliche Alter bei der Geburt steht in Zusammenhang mit der zusammengefassten Geburtenziffer. Ein früheres durchschnittliches Gebäralter geht häufig mit einer höheren Geburtenrate einher, da Frauen mehr potenzielle Gebärjahre haben. Ein späteres Gebäralter kann hingegen zu einem Rückgang der Geburtenrate führen. Auch gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich im Gebäralter wider. So steigt in vielen Industrieländern das Durchschnittsalter der Mütter kontinuierlich an, während es in Entwicklungsländern häufig niedriger ist.
Gleichzeitig beeinflusst das Gebäralter auch die Generationenabstände und somit die Bevölkerungsalterung insgesamt.
Region 10
In den letzten 20 Jahren ist das durchschnittliche Alter von Müttern bei der Geburt in der Region kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2004 bekamen Mütter in Ingolstadt im Durchschnitt Kinder, als sie knapp über 29 Jahre alt waren. In den angrenzenden Landkreisen war das Alter der Mütter um bis zu 1,4 Jahre höher. Bis auf den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, wo das Alter der Mütter im Jahr 2014 bei 30,8 Jahren lag, lag der Rest der Region bereits bei einem Alter von über 31 Jahren. Im vergangenen Jahr waren Mütter bei der Geburt im Durchschnitt 32,1 Jahre alt. Der Landkreis Pfaffenhofen war mit 32,4 Jahren Spitzenreiter.
Vergleichbare bayerische Großstädte
In allen vergleichbaren Großstädten ist das Durchschnittsalter der Mütter in den letzten zehn Jahren gestiegen. Im Jahr 2024 hatten Mütter in der Landeshauptstadt München mit 33,5 Jahren das höchste Alter bei der Geburt. Das niedrigste Durchschnittsalter wurde mit 31,8 Jahren in Augsburg und Würzburg verzeichnet, danach folgt Ingolstadt mit 31,9 Jahren.
Bayern
Mit 28,8 Jahren lag das Mütteralter in Ingolstadt im Jahr 2000 niedriger als in Bayern, wo es bereits bei 30 Jahren lag. Auch hier ist festzustellen, dass die Mütter im Allgemeinen immer älter werden. Bis auf die Jahre 2020 und 2021 lag das Alter der Mütter bei der Geburt in Ingolstadt stets unter dem bayerischen Niveau.
Im Vergleich zu den Regierungsbezirken liegt Ingolstadt auf dem Niveau des Regierungsbezirks Schwaben und somit im oberen Drittel. Das höchste Mütteralter wird mit 32,8 Jahren im Regierungsbezirk Oberbayern verzeichnet. In Niederbayern sind die Mütter im Durchschnitt am jüngsten.
Deutschland
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag das Mütteralter in Ingolstadt 0,8 Jahre unter dem Wert der gesamten Bundesrepublik. Innerhalb der folgenden neun Jahre holte Ingolstadt auf, sodass im Jahr 2009 mit 30,4 Jahren das gleiche Niveau erreicht wurde. Anschließend lagen die Werte in Ingolstadt bis auf die Jahre 2017 bis 2019 und das Jahr 2022 über denen von Deutschland, seit 2024 scheinen sie sich wieder anzugleichen.
Wie bei der Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer gibt es auch beim Mütteralter Unterschiede zwischen Ost und West. Bereits seit den 1970er Jahren steigt das Alter der Mütter im früheren Bundesgebiet kontinuierlich an. In der DDR setzte diese Trendwende erst zehn Jahre später ein. Da diese Entwicklung jedoch nicht so kontinuierlich verlief, waren ostdeutsche Mütter bei der Geburt ihrer Kinder im Jahr 1990 im Durchschnitt drei Jahre jünger als westdeutsche Mütter. Dieser Altersunterschied hat sich durch die schnellere Alterung der Mütter in den neuen Bundesländern bis heute deutlich verringert. Nichtsdestotrotz sind ostdeutsche Mütter bei der Geburt ihrer Kinder immer noch knapp ein Jahr jünger.
Im Jahr 2024 waren die Mütter in Sachsen-Anhalt und Thüringen am jüngsten. Hier lag das Alter der Mütter bei unter 31 Jahren. Die Stadtstaaten Hamburg und Berlin verzeichneten mit 32,5 bzw. 32,2 Jahren das höchste Alter. Ingolstadt ist mit Hessen vergleichbar, das Platz 5 unter den Bundesländern mit den höchsten Gebäraltern einnimmt.
Europa
Obwohl das Mütteralter grundsätzlich steigt, sind Frauen in Ingolstadt bei der Geburt ihrer Kinder seit 2012 um bis zu einem Jahr älter als Frauen in Europa.
Im Jahr 2023 waren Mütter in Moldawien mit einem Durchschnittsalter von 28,0 Jahren bei der Geburt am jüngsten. Es folgen Bulgarien mit 28,2 Jahren und Rumänien mit 28,3 Jahren. Das höchste Mütteralter wurde in Irland mit 33,2 Jahren verzeichnet, gefolgt von Liechtenstein mit 32,8 Jahren und Spanien mit 32,6 Jahren. Ingolstadt liegt mit 32,0 Jahren zwischen Griechenland (32,1 Jahre) und Dänemark sowie den Niederlanden (31,8 Jahre) und damit im oberen Drittel. Deutschland liegt mit 31,3 Jahren dagegen im europäischen Mittelfeld.
Zusammenfassung und Ursachenforschung
Obwohl sich die Bruttogeburtenziffer, die zusammengefasste Geburtenziffer und das Alter der Mütter im Allgemeinen über die Jahre ähnlich entwickelten, bildet Ingolstadt eine Ausnahme. In den 1990er Jahren öffnet sich die Schere bei der Bruttogeburtenziffer zuerst zwischen Ingolstadt und Deutschland, dann – gegen Ende des Jahrtausends – auch zwischen Ingolstadt und Bayern. Seit diesen Zeitpunkten hat Ingolstadt höhere Werte als die Vergleichsgebiete. Auch im europäischen Vergleich liegen die Werte über dem Durchschnitt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der zusammengefassten Geburtenziffer: Trotz ähnlicher Tendenzen liegen die Werte in Ingolstadt meist über denen von Bayern, Deutschland und Europa. Anfang der 2000er Jahre waren Ingolstädter Mütter bei der Geburt noch deutlich jünger als der bayerische und der deutsche Durchschnitt. Seit Mitte der 2010er Jahre gleichen sich die Werte jedoch an. Im Vergleich zu Deutschland liegt das Gebäralter in Ingolstadt aktuell auf einem leicht erhöhten Niveau. In den letzten zwölf Jahren waren Frauen in Europa bei der Geburt im Durchschnitt jünger als in Ingolstadt.
Woher kommen diese Unterschiede und warum waren die 1990er Jahre der Wendepunkt?
Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung zogen viele Menschen aus dem Osten der Republik nach Ingolstadt. Hinzu kamen zahlreiche Aussiedler. Dies ließ die Bevölkerung Ingolstadts im Jahr 1990 sprunghaft ansteigen. Es kam zu einem Zuwachs von 4 %. Auch in den Folgejahren wuchs die Bevölkerung stetig. Die Wirtschaftskrise zu Beginn der 2010er Jahre traf Ingolstadt deutlich weniger stark als Bayern oder Deutschland insgesamt. Während die Einwohnerzahlen im Rest der Republik stark sanken, wuchs die Bevölkerung in Ingolstadt sogar leicht. Die Fluchtbewegungen ab 2012 führten deutschlandweit dann wieder zu einem Anstieg. In Ingolstadt führten die Automobilkrise und die Corona-Pandemie bereits 2020 zu einem Bevölkerungsrückgang, während sich dies in Bayern und Deutschland erst 2022 auswirkte. Seit 2023 steigen die Bevölkerungszahlen in Ingolstadt wieder. In Bayern und Deutschland gab es diesen Anstieg ebenfalls, er setzte sich jedoch nicht fort. Während die Zahlen in Bayern stagnieren, sinken sie im gesamten Bundesgebiet sogar leicht.
Die wachsende Bevölkerung allein erklärt jedoch nicht, warum das Geburtenverhalten in Ingolstadt anders ist als in den anderen Untersuchungsgebieten. Ausschlaggebend ist auch die Altersstruktur des Gebiets. Ein Vergleich des Jahres 2023 zeigt, dass knapp zwei Drittel der Ingolstädter Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren sind. In Bayern, Deutschland und Europa liegt dieser Anteil bei unter 62 %. In Ingolstadt liegt der Anteil der unter 18-Jährigen in etwa auf dem Niveau des europäischen Durchschnitts, während der Anteil in Bayern und Deutschland unter 17 % liegt. Der Seniorenanteil ist in Ingolstadt dagegen deutlich niedriger. Hier liegen die Werte bei über 20 %. Somit hat Ingolstadt eine deutlich jüngere Bevölkerung. Dies hat natürlich auch Einfluss auf die Fertilität.
Auch die Entwicklung der Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 49 Jahre) ist ein Indiz dafür, warum Ingolstadt sich von den anderen Vergleichsgebieten unterscheidet. Zwar sinkt seit zehn Jahren der Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung, trotzdem ist dieser Anteil in dieser Gruppe stets höher als in Bayern, Deutschland und Europa. Zudem ist der Rückgang nicht ganz so stark wie in den anderen Gebieten. Seit 2021 ist jedoch zu beobachten, dass sich die Anteile relativ stabil entwickeln.
Häufig ist im Zusammenhang mit der zusammengefassten Geburtenziffer sowie dem Alter der Mütter bei der Geburt noch ein Stadt-Land-Gefälle erkennbar. Frauen in ländlichen Gegenden bekommen in der Regel früher und mehr Kinder als Frauen in Großstädten. Dies ist auch ein Grund für die höhere TFR und das niedrigere Mütteralter in Ingolstadt. Denn Ingolstadt ist in vielen Teilen noch ländlich geprägt, was sich wiederum auf das Geburtenverhalten auswirkt.
Zudem gibt es noch weiche Faktoren, die das Geburtenverhalten beeinflussen. So zogen beispielsweise Anfang der 2000er Jahre viele junge Leute aufgrund des Studienangebots und der guten Arbeitsmarktlage nach Ingolstadt. Die gute Ausbildung und der Arbeitsplatz veranlassten diese Menschen, zu bleiben und Familien zu gründen. Auch die Gleichstellung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirkten sich positiv aus. Nichtsdestotrotz steigt das Alter der Mütter bei der Geburt stetig an. Faktoren wie eine längere Ausbildung, Karrierewünsche und der Wunsch nach einer gefestigten Partnerschaft spielen hierbei eine Rolle. Durch den medizinischen Fortschritt und verbesserte Möglichkeiten zur Betreuung von Schwangerschaften wird Frauen auch ermöglicht, eine Schwangerschaft erfolgreich auszutragen, auch in einem höheren Alter.
Zusammengefasst war in Ingolstadt die Zeit für Nachwuchs stets gegeben. Aufgrund der besonderen Struktur der Stadt kamen viele Menschen hierher, die in einer Großstadt leben wollten, aber nicht auf die Vorzüge des Landlebens verzichten wollten. Diese Besonderheit hat großen Einfluss auf die Geburtenrate. Doch auch hier ist der Trend zu einem höheren Mütteralter deutlich erkennbar.





























