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Bevölkerungsentwicklung 2024

Bevölkerung

Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ingolstadt mit den wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen für 2024.

Autor/-in

Helmut Schels

Veröffentlichungsdatum

9. Januar 2025

Allgemeine Hinweise

Die nachfolgenden aktuellen Zahlen für das Jahr 2024 und zum Zeitpunkt 31.12.2024 wurden aus den Daten des Ingolstädter Mel­deregisters berechnet. Amtliche Daten gibt es nur für die gesamte Stadt, die Melderegisterdaten können auch für Teilgebiete berechnet werden (z. B. Stadtbezirke, Schulsprengel) und sie sind eine wichtige Planungsgrundlage für Entscheidungen und Planungen nicht nur der Stadtverwaltung.

Bevölkerungsentwicklung insgesamt

Die letzte amtliche Zahl des Bayerischen Landesamts für Statistik stammt vom 31.12.2023 und betrug 142 308 (Basis Zensus 2011) bzw. 139 536 (Basis Zensus 2022) Einwohner/-innen. Zu diesem Zeitpunkt Ende 2023 waren im Melderegister der Stadt Ingolstadt 143 595 Personen gemeldet. Das sind gegenüber der amtlichen Zahl rund 1 300 (Basis Zensus 2011) bzw. knapp über 4 000 (Basis Zensus 2022) Personen mehr. Diese Differenz ist systembedingt.

Diagramm Einwohnerentwicklung Ingolstadts bis 2023/24

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Von 2014 bis 2018 stieg die Zahl der im Ingolstädter Melderegister gemeldeten Personen mit Hauptwohnsitz von rund 131 700 auf knapp 138 200 Einwohner/-innen um rund 6 500 Personen an. 2020 gab es erstmalig nach vielen Jahrzehnten – bedingt durch Abwanderungen aufgrund der Corona-Pandemie - einen leichten Rückgang der Bevölke¬rungszahl. 2021 stieg die Einwohnerzahl wieder leicht an. 2022 erhöhte sich die Bevölkerungszahl um rund 3 000 Personen aufgrund von Fluchtbewegungen (vor allem aus der Ukraine) und der Rückkehr der in der Corona-Zeit abgewanderten ausländischen Arbeitskräfte auf annähernd 142 400 Einwoh¬ner/-innen. Im Jahr 2023 stieg die Einwohnerzahl um weitere rund 1 200 Personen, bevor 2024 ein Anstieg der Einwohnerzahl um über 1 850 Personen stattfand. Zum 31.12.2024 waren laut Melderegister knapp 145 500 Personen mit Hauptwohnsitz registriert.

Diagramm jährliche Veränderung der Einwohnerzahl

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Die Entwicklung der Einwohnerzahl ist im Wesentlichen von den Zuzügen und Wegzügen von Personen beeinflusst. Die Differenz zwischen Zuzügen und Wegzügen ist der Wanderungssaldo. Auch die Geburten und Sterbefälle spielen eine Rolle bei der Einwohnerentwicklung. Die Differenz aus Geburten und Sterbefällen wird natürlicher Saldo genannt. Nachfolgend werden diese Komponenten der Bevölkerungsentwicklung näher betrachtet.

Geburten und Sterbefälle

Die Geburtenzahlen stiegen ab 2013 kontinuierlich von rund 1 200 auf bis über 1 600 Kinder pro Jahr (2018, 2021) stark an. Da sich die Sterbe¬fälle von 2013 bis 2019 etwa um 1 250 Personen pro Jahr beweg¬ten, entstand ein deutlicher Gebur¬tenüberschuss oder positiver natürlicher Saldo in diesem Zeitraum. Dieser war bis 2020/21 ein wesentlicher Faktor bei der Einwohnerentwicklung.

Diagramm Geburten und Sterbefälle am Wohnort Ingolstadt

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Mit der Corona-Pandemie stiegen auch die Sterbefallzahlen in Ingolstadt ab 2020 deutlich an und lagen 2021 und 2022 bei rund 1 450. 2023 und 2024 stabilisierten sie sich bei rund1 400 Personen. Aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge der 1930er Jahre (Personen ab 85 Jahren) werden die Sterbefallzahlen zukünftig höher sein als noch in den Jahren vor 2020. Die Zahl der Geburten war nach den Spitzenjahren 2018 bis 2021 mit durchschnittlich 1 600 Geburten pro Jahr rückläufig und lag in den Jahren 2023 und 2024 nur noch bei knapp über 1 400 Neugeborenen.

Mit den sinkenden Geburtenzahlen und den gestiegenen Sterbefallzahlen war 2023 und 2024 der natürliche Saldo (Geborene abzüglich Sterbefälle) nur noch knapp positiv.

Wanderungssaldo (Zu- und Wegzüge)

Der Wanderungssaldo wird aus der Differenz von Zuzügen und Wegzügen gebildet. Seit vielen Jahrzehn¬ten ist er in Ingolstadt, Bayern und auch Deutschland der wesentliche Grund für Veränderungen (meist steigend) der Bevölkerungszahl.

Diagramm Wanderungssalden Deutsche und Ausländer/-innen in Ingolstadt

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Von 2011 bis etwa 2018 stieg der Wanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung im Zuge der Freizügigkeit innerhalb der EU für die EU-Beitrittsländer von 2004 (haupt¬sächlich aus Ost- und Südosteuropa) stark an. Verstärkt wurde die Zuwanderung aus dem Ausland durch die Fluchtbewegungen hauptsächlich zwischen 2015 und 2018. Nach dem Einbruch der Zuwanderungs¬zahlen aus dem Ausland durch wirtschaftliche Gründe (2019) und die Corona-Pandemie (2020) stieg sie 2021 wieder auf das Niveau der letzten zehn Jahre. Mit über 4 000 Zugewanderten aus dem Ausland ist das Jahr 2022 fast beispiellos in der Zeit seit 1950 in Ingolstadt. Auch die Jahre 2023 und 2024 waren geprägt durch eine überdurchschnittlich hohe Zuwanderung von Menschen anderer Nationalität (ca. +2 500 und gut +2 300). Wie viele der Zugewan¬derten jedoch dauerhaft in Ingolstadt bleiben werden, ist ungewiss und hängt wohl sehr stark von den Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern (z. B. Ukraine) ab.

Bei der deutschen Bevölkerung in Ingolstadt lässt sich seit 2009 ein zunehmender Abwärtstrend des Wanderungssaldos feststellen, der ab 2016 negativ (mehr Wegzüge aus Ingolstadt als Zuzüge) war. Er betrug im Jahr 2023 fast -1 300 Personen. Im Jahr 2024 war die Abwanderung von Deutschen mit nur rund -500 Personen deutlich geringer. Hauptsächlich Deutsche im Alter unter 10 Jahren und von 30 bis unter 45 Jahren machen den negativen Wande¬rungssaldo aus (Familienwanderung, davon knapp die Hälfte in die umliegenden Landkreise).

Analyse des Wanderungssaldos

Welche Menschen ziehen nach Ingolstadt? Nachfolgend werden drei Merkmale untersucht: Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit.

Wanderungssaldo nach Geschlecht

Während die Zuwanderung von Personen mit ausländischer Nationalität mit rund 1 300 Männern und über 1 000 Frauen einen leichten männlichen Überschuss (56% zu 44%) aufweist, wandern bei der deutschen Bevölkerung mit -290 mehr Frauen (57% zu 43%) als Männer ab (-219).

Diagramm Wanderungssalden nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht 2024

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Wanderungssaldo nach Alter

Die unter 18-jährigen Deutschen wanderten im Saldo der Zuzüge und Wegzüge im Jahr 2024 ab (-127) während Kinder mit ausländischer Nationalität zuwanderten (+394). Die höchsten Zuwanderungszahlen gibt es wie schon seit Jahrzehnten in den Altersgruppen 18-25 (+950) und 25-30 (+584). Allerdings ist der Wanderungssaldo der deutschen jungen Erwachsenen nur schwach positiv (+125 und – 18). Durch Abwanderung von rund 350 Deutschen und Zuwanderung von rund 520 Ausländer/-innen hatte die Altersgrupp 30-45 nur einen Zuwachs von rund 170 Personen. Ab 45 Jahren ist fast ausschließlich eine leichte Abwanderung festzustellen.

Diagramm Wanderungssalden nach Staatsangehörigkeit und Alter 2024

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Welche Personen mit welcher Staatsangehörigkeit kommen nach Ingolstadt? Die Betrachtung gliedert sich in drei unterschiedliche statistische Auswertungen auf:

  1. Stärkste Zunahmen an Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt 2014 bis 2024
  2. Stärkste Zunahmen an Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt im Jahr 2024
  3. Ausländische Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt am 31.12.2024

Diagramm Top 10 stärkste Zunahmen von Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt von 2014 bis 2024

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Über die letzten zehn Jahre betrachtet wuchs die Zahl der ukrainischen Staatsbürger/-innen in In­golstadt mit über 2 000 Personen am stärksten, danach folgten Menschen aus Indien (+1 970), aus dem Kosovo (+1 355) und aus dem Fluchtland Afghanistan (rund +1 350).

Dahinter folgen die beiden EU-Länder Rumänien mit mehr als +900 Personen und Kroatien mit knapp +850 Personen Zuwachs. Personen mit syrischer Nationalität nahmen um knapp +800 Menschen seit 2014 zu. Zudem sind seit 2014 zahlenmäßig hohe Zuwanderungszahlen aus den südosteuropäischen Balkanländern Bosnien/Herzegowina, Bulgarien (EU) und Serbien (ohne Kosovo) zu verzeichnen.

Wie im nachfolgenden Diagramm zu sehen ist, nahm im Jahr 2024 die Anzahl der Ingolstädter/-innen mit indischer Staatsangehörigkeit mit rund +400 Personen am stärksten zu. Danach folgen Ukraine (ca. +240), dann Afghanistan mit + 167. Ansonsten kamen je zwischen 68 und 40 Menschen aus dem Kosovo und Tunesien sowie fünf Länder aus Asien, darunter Iran und Jemen.

Diagramm Top 10 stärkste Zunahmen von Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt im Jahr 2024

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Die häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt sind türkisch (rund 4 800 Personen), gefolgt von rumänisch (ca. 2 800), indisch und ukrainisch (je knapp 2 300) und kosovarisch (knapp 2 100), kroatisch (rund 1 750), afghanisch (ca. 1 500), griechisch (ca. 1 450), bosnisch/herzegowinisch und italienisch (je gut 1 200) und polnisch (1 100) sowie bulgarisch (gut 1 000 Personen). Zwischen rund 800 und 950 Personen haben eine syrische, spanische oder ungarische Staatsangehörigkeit.

Diagramm 15 häufigste Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt am 31.12.2024

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Insgesamt leben zum 31.12.2024 in Ingolstadt fast 108 700 Deutsche und ca. 36 800 ausländische Mitbürger/-innen (etwas über 25%).

Einbürgerungen in Ingolstadt

Zitat der Internetseite des Bundesministeriums des Inneren und für Heimat:

An diesem Donnerstag, 27. Juni 2024, tritt das Gesetz zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts in Kraft. Damit hat das Bundesinnenministerium eine zentrale Reform der aktuellen Bundesregierung umgesetzt. Menschen, die in Deutschland arbeiten und gut integriert sind, können schon nach fünf statt nach acht Jahren deutsche Staatsangehörige werden. Sie brauchen ihre bisherige Staatsangehörigkeit und damit einen Teil ihrer Identität nicht mehr aufzugeben. Unter strengen Voraussetzungen ist künftig auch nach drei Jahren eine Einbürgerung möglich. Zugleich werden die Anforderungen für das Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung strenger. Hier gilt: Rassismus, Antisemitismus oder jede andere Form von Menschenfeindlichkeit schließen eine Einbürgerung aus.

Wie hat sich das seit einem halben Jahr in Kraft befindliche neue Gesetz auf Ingolstadt ausgewirkt? Offizielle amtliche Zahlen werden wohl erst in einigen Monaten verfügbar sein.

Aus den Daten des Melderegisters lässt sich jedoch bereits etwas erkennen, wie das nachfolgende Diagramm zeigt:

Diagramm Einbürgerungen in Ingolstadt 2014 bis 2025

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; 2024: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Während die Einbürgerungszahlen zwischen 2014 und 2022 stets aber moderat von knapp 250 auf rund 500 gestiegen sind, war 2023 mit über 650 Einbürgerungen bereits ein deutlich höherer Wert erkennbar. 2024 weisen Auswertungen des Melderegisters über 1 460 Einbürgerungen auf, mehr als doppelt so viele wie noch 2023 und fast das Dreifache der Jahre 2022 oder 2021.

Diagramm Einbürgerungen in Ingolstadt 2024 nach früherer Staatsangehörigkeit

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Die beiden stärksten Nationalitäten hinsichtlich der Zahl der Einbürgerungen waren Türkei mit knapp 200 und Syrien mit über 160 Personen. Über 110 Menschen mit Herkunft aus dem Kosovo ließen sich ebenfalls in hoher Zahl einbürgern. Viele Eingebürgerte hatten oder haben noch Staatsangehörigkeiten aus Ländern des Balkans. Je rund 80 Personen kommen aus Indien oder der Russischen Föderation, je knapp 50 aus Afghanistan, der Ukraine oder Pakistan, 27 aus Marokko, 44 Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit.

Obwohl 2024 rund 500 Deutsche mehr wegzogen als zuzogen (Wanderungssaldo -500), nahm doch die Zahl der Deutschen gegenüber 2023 im Jahr 2024 um über 800 zu. Der hauptsächliche Grund dafür ist die hohe Zahl von über 1 400 Einbürgerungen im letzten Jahr.

Ausblick und Prognose

Das Bayerische Landesamt für Statistik hat in seiner Bevölkerungsvorausberechnung 2022 bis 2024 eine Zunahme der Bevölkerung Ingolstadts in den nächsten 20 Jahren auf rund 153 000 Einwohner/-innen gerechnet. Dabei wurde ein durchschnittlicher jährlicher Wanderungssaldo von gut 500 Personen pro Jahr angenommen, von 2022 bis 2042 insgesamt 10 900 Personen.

Das Sachgebiet Statistik und Stadtforschung des Hauptamts hat für die Jahre 2023 bis 2043 eigene Berechnungen mit vier verschiedenen Szenarien des Wanderungssaldos berechnet.

Dabei würde bis 2043 die Einwohnerzahl Ingolstadts, je nach Wanderungssaldo 10 000, 13 000, 16 000 oder 19 000 Personen, zwischen 152 000 und 162 000 Einwohner/-innen liegen.

Diagramm Szenarien der Entwicklung der Gesamtbevölkerung abhängig vom Wanderungssaldo bis 2043

Quelle: Melderegister // Darstellung und Berechnung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Aufgrund des deutlich höheren Wanderungssaldos der Jahre 2023 und 2024 wird im Lauf des Jahres 2025 eine neue Prognoserechnung vom Sachgebiet Statistik und Stadtforschung gerechnet, um für Entscheidungen und Planungen auch Szenarien mit höherer Zuwanderung zur Verfügung zu haben.

Die weitere Entwicklung der Einwohnerzahl Ingolstadts hängt von sehr vielen externen und nicht zu beeinflussenden Faktoren der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse ab, die eine Nachjustierung der Bevölkerungsprognosen immer wieder erfordern.

Exkurs Schülerzahlen

Die Schülerzahlen werden sich aufgrund der sehr hohen Geburtenzahlen der Jahre 2013 bis 2023 sehr stark erhöhen. Je höher die Altersgruppe, desto später machen sich die hohen Geburtenzahlen im Schulbereich bemerkbar. Die Geburtenzahlen der nächsten Jahre bleiben aber gegenüber der Zeit vor 2013 erhöht. Der Wanderungssaldo von Familien mit Kindern ist nur bei der deutschen Bevölkerung negativ, insgesamt gab es in den vergangenen Jahrzehnten kaum Abwanderung.

Im Bereich der weiterführenden Schulen (Altersgruppen 10 bis unter 21 Jahren) zeigt sich folgende Situation:

  • derzeit gibt es 14 700 Kinder und Jugendliche von 10 bis 21 Jahren

  • bis 2043 ergeben sich bei der untersten Prognose rund 15 700 Jugendliche und junge Erwachsene (+ 1 000 gegenüber 2023)

  • bis 2043 ergeben sich bei der obersten Prognose rund 16 800 Jugendliche und junge Erwachsene (+ 2 100 gegenüber 2023)

  • in den Jahren zwischen 2032 und 2040 könnten es bis über 17 000 Personen von 10 bis unter 21 Jahren sein.