Bevölkerungsentwicklung 2023
Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ingolstadt mit den wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen für 2023.
Allgemeine Hinweise
Die nachfolgenden aktuellen Zahlen für das Jahr 2023 wurden aus den Daten des Ingolstädter Melderegisters berechnet, da die amtlichen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik erst mit einer mehrmonatigen Verzögerung der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden und erst seit Kurzem die Einwohnerzahlen zum 30.09.2023 veröffentlicht wurden. Die amtlichen Zahlen sind systembedingt um mehr als 1 000 Einwohner/-innen niedriger als die Daten aus dem Melderegister. Die amtlichen Zahlen gibt es immer nur für die gesamte Stadt, die Melderegisterdaten können auch für Teilgebiete berechnet werden (z. B. Stadtbezirke)
Bevölkerungsentwicklung insgesamt
Seit 2011 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl Ingolstadts um rund 11 000 Personen von rund 126 500 auf gut 138 000 Einwohner/-innen an. 2020 gab es erstmalig nach vielen Jahrzehnten – bedingt durch Abwanderungen aufgrund der Corona-Pandemie - einen leichten Rückgang der Bevölke-rungszahl. 2021 stieg die Einwohnerzahl wieder leicht an. 2022 erhöhte sich die Bevölkerungszahl um rund 3 000 Personen aufgrund von Fluchtbewegungen (vor allem aus der Ukraine) und der Rückkehr der in der Corona-Zeit abgewanderten ausländischen Arbeitskräfte auf 142 400 Einwoh-ner/-innen (Melderegister). Im Jahr 2023 stieg die Einwohnerzahl um rund 1 200 Personen und liegt zum Ende des Jahres 2023 laut Melderegister bei 143 590 Personen.
Wanderungssaldo (Zu- und Wegzüge)
Der Wanderungssaldo wird aus der Differenz von Zuzügen und Wegzügen gebildet. Seit vielen Jahrzehnten ist er in Ingolstadt, Bayern und auch Deutschland der wesentliche Grund für Veränderungen (meist steigend) der Bevölkerungszahl.
Es ist deutlich zu sehen, dass bis 2010 der Wanderungssaldo von Deutschen und Ausländer/-innen etwa gleich hoch auf mäßigem Niveau war. Ab 2011 stieg der Wanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung im Zuge der Freizügigkeit innerhalb der EU für die EU-Beitrittsländer von 2004 (hauptsächlich aus Ost- und Südosteuropa) stark an. Verstärkt wurde die Zuwanderung aus dem Ausland noch durch die Fluchtbewegungen hauptsächlich zwischen 2015 und 2018 (erst ab 2016 wurden die Geflüchteten in der Einwohnerstatistik in Bayern erfasst). Nach dem Einbruch der Zuwanderungszahlen aus dem Ausland durch wirtschaftliche Gründe (2019) und die Corona-Pandemie (2020) stieg sie 2021 wieder auf das Niveau der letzten zehn Jahre. Mit über 4 000 Zugewanderten aus dem Ausland ist das Jahr 2022 fast beispiellos in der Zeit seit 1950 in Ingolstadt. Auch das Jahr 2023 war geprägt durch eine überdurchschnittlich hohe Zuwanderung von Menschen anderer Nationalität (ca. + 2 500). Wie viele der Zugewanderten jedoch dauerhaft in Ingolstadt bleiben werden, ist ungewiss und hängt wohl sehr stark von den Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern (z. B. Ukraine) ab.
Bei der deutschen Bevölkerung in Ingolstadt lässt sich seit 2009 ein zunehmender Abwärtstrend der Zuwanderung feststellen. Ab dem Jahr 2016 bleibt der Wanderungssaldo der Deutschen negativ, d. h. mehr Wegzüge aus Ingolstadt als Zuzüge. Der negative Wanderungssaldo der Deutschen ist seit 2016 zunehmend angewachsen und betrug im Jahr 2023 fast -1 300 Personen). Hauptsächlich Deutsche im Alter unter 10 Jahren und von 30 bis unter 45 Jahren machen den negativen Wanderungssaldo aus (Familienwanderung, davon knapp die Hälfte in die umliegenden Landkreise).
Geburten und Sterbefälle
Bis 2012 gab es in Ingolstadt im Durchschnitt rund 1 200 Geburten und rund 1 100 Sterbefälle pro Jahr. Die Geburten stiegen nach 2012 kontinuierlich auf bis über 1 600 Kinder pro Jahr (2018, 2021) stark an. Da sich die Sterbefälle ab 2015 bis 2019 etwa um 1 250 Personen pro Jahr bewegten, entstand ein deutlicher Geburtenüberschuss oder positiver natürlicher Saldo ab 2013/14. Dieser war bis 2020/21 ein wesentlicher Faktor bei der Einwohnerentwicklung.
Mit der Corona-Pandemie stiegen auch die Sterbefallzahlen in Ingolstadt ab 2020 deutlich an und lagen 2021 und 2022 bei rund 1 450. 2023 sanken diese auf knapp 1 400 Personen.
Seit 2022 ist die Zahl der Geburten wieder rückläufig und betrug im Jahr 2022 gut 1 500 Kinder, im Jahr 2023 nur noch ca. 1 400 Neugeborene.
Mit den sinkenden Geburtenzahlen und den gestiegenen Sterbefallzahlen war im abgelaufenen Jahr 2023 der Saldo aus Geborenen und Gestorbenen annähernd Null.
Lebenserwartung in Ingolstadt
Die Lebenserwartung in Ingolstadt wurde aus Zahlen des Melderegisters für den Zeitraum 2017-2019 und 2020 bis 2022 errechnet.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Werte und die Entwicklung:
Mit 75,6 Jahren (Männer) und 81,6 Jahren (Frauen), insgesamt mit 78,5 Jahren lag die Lebenserwartung für den Zeitraum 2020/22 in Ingolstadt etwas niedriger als in Bayern gesamt. Dort betrug die Lebenserwartung für diesen Zeitraum 79,1 Jahre bei Männern und etwa 83,7 Jahre bei Frauen. In Deutschland insgesamt lag im Zeitraum 2020/2022 die Lebenserwartung bei Männern bei 78,3 Jahren, bei Frauen bei 83,2 Jahren. Bayern liegt von allen Bundesländern hinsichtlich der Lebenserwartung an zweiter Stelle nach Baden-Württemberg (Quelle: Statistisches Bundesamt; www.destatis.de).
Die Frage, wie sich die Corona-Pandemie auf die Lebenserwartung der Menschen ausgewirkt hat, kann man mit dem Vergleich der beiden Zeiträume 2017/19 (vor Corona) und 2020/22 (während Corona) wie folgt beantworten:
Insgesamt konnte mit den vorliegenden Zahlen nur eine marginale Verringerung der Lebenserwartung von -0,3 Jahren bei Männern, sogar ein leichter Anstieg um +0,1 Jahre bei den Frauen und insgesamt eine Verringerung um -0,2 Jahre festgestellt werden. Auch bei der Betrachtung der Lebenserwartung der Bevölkerung ab 55 Jahren lässt sich nur eine geringfügige Verringerung der Lebenserwartung errechnen, wobei hier für die Frauen -0,4 Jahre und für die Männer +0,2 Jahre errechnet wurden.
Analyse des Wanderungssaldos
Wie bereits oben erläutert, wuchs Ingolstadt in den letzten Jahren hauptsächlich durch den positiven Wanderungssaldo von Ausländern/-innen. Aus welchen Staaten kamen die meisten Menschen nach Ingolstadt?
Die Betrachtung gliedert sich in zwei unterschiedliche statistische Auswertungen auf:
Stärkste Zunahmen an Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt im Jahr 2023
Stärkste Zunahmen an Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt 2013 bis 2023
Wie im nachfolgenden Diagramm zu sehen ist, nahm im Jahr 2023 die Anzahl der Ingolstädter/-innen mit indischer Staatsangehörigkeit mit einem Plus von rund 430 Personen am stärksten zu. Danach folgen Afghanistan (ca. +260), dann erst die Ukraine mit + 255. Zusammen mit den Menschen pakistanischer Herkunft (+130) kamen im letzten Jahr somit über 800 Personen aus Asien nach Ingolstadt. Aus der Türkei wanderten noch knapp 200 Menschen zu, ansonsten kamen viele Menschen aus Südosteuropa (Balkan) sowie aus Spanien.
Über die letzten zehn Jahre betrachtet wuchs die Zahl der ukrainischen Staatsbürger/-innen in Ingolstadt mit über 1 800 Personen am stärksten, danach folgten Menschen aus Indien (+1 630), aus dem Kosovo (+1 430) und aus Rumänien (knapp + 1 400).
Die Fluchtländer Afghanistan (rund +1 200) und Syrien (knapp +900) sind nach Indien die Herkunftsländer mit den meisten Zugewanderten der letzten 10 Jahre.
Zudem sind seit 2013 zahlenmäßig hohe Zuwanderungszahlen aus den südosteuropäischen Balkanländern zu verzeichnen.
Die häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt mit jeweils über 1 000 Bürgern sind türkisch (rund 5 000 Personen), gefolgt von rumänisch (ca. 2 900), ukrainisch und kosovarisch (je ca. 2 000), indisch (knapp 1 900), kroatisch (knapp 1 800), griechisch (knapp 1 500), afghanisch (gut 1 300), bosnisch/herzegowinisch und italienisch (je ca. 1 200) und polnisch (rund 1 100).
Insgesamt leben zum 31.12.2023 in Ingolstadt rund 107 900 Deutsche und ca. 35 700 ausländische Mitbürger/-innen (knapp 25%).
Bevölkerungsentwicklung in den Stadtbezirken
Nachfolgend zeigt das Diagramm die aktuellen Einwohnerzahlen mit Hauptwohnsitz der 12 Stadtbezirke zum 31.12.2023:
Seit 2013 bis 2023 wuchs die Stadt um rund 14 000 Einwohner/-innen. Alleine im Stadtbezirk Südost nahm die Einwohnerzahl um fast 3 700 zu. Das ist mehr als ein Viertel des städtischen Zuwachses. Weitere starke Wachstumspole waren die Stadtbezirke Nordost (über + 2 100) und Friedrichshofen-Hollerstauden (über +1 600) sowie Mitte (rund +1 350) und Süd (rund +1 150).
Das relative prozentuale Wachstum der Stadtbezirke bezogen auf die Basis 2013 zeigt nachfolgendes Diagramm:
Der Stadtbezirk Südost ist mit +23% am stärksten gewachsen. Darauf folgt Friedrichshofen-Hollerstauden mit knapp +18%. Obwohl die absoluten Zunahmen der Einwohnerzahlen in den am Stadtrand gelegenen Stadtbezirken West, Oberhaunstadt und Mailing nicht so hoch waren, zeigt sich doch eine prozentuale Steigerung der letzten 10 Jahre um 10% (West), 11% (Oberhaunstadt) und knapp 13% (Mailing). Sie ist somit ähnlich hoch wie diejenigen von Süd (knapp 14%), Nordost (11%) oder Mitte (knapp 10%).
Im letzten Jahr 2023 nahm die Bevölkerungszahl Ingolstadts um rund 1 200 zu. Rund 85% des Wachstums von 2023 fand in den vier zentralen Stadtbezirken Mitte (+185), Nordwest (+265), Nordost (+270) und Südost (+345) statt. Nur Mailing (+85) und Süd (+75) hatten noch etwas Bevölkerungszuwachs. In den übrigen Stadtbezirken blieb die Einwohnerzahl 2023 annähernd konstant.
Nach Unterbezirken (Stadt- und Ortsteile) hatten folgende Gebiete hohe Zunahmen der Einwohnerzahlen:
Im stark gewachsenen Stadtbezirk Südost waren es der Ortsteil Niederfeld (+150) und das Monikaviertel (+110). Im Nordosten nahm die Einwohnerzahl sehr stark im Josephsviertel (+130) und im Schubert&Salzer-Bezirk (+70) zu. Im Stadtbezirk Mitte waren es die Unterbezirke Gerolfinger Straße sowie Altstadt Nordost und Altstadt Nordwest, die das größte Bevölkerungswachstum 2023 aufwiesen. Im Nordwesten waren die Unterbezirke Richard-Strauss-Straße und Piusviertel sehr wachstumsstark.











