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  • Stadt- und Regionalvergleich der Einwohnerentwicklung
  • Welche Personen sind nach Ingolstadt zugewandert?
  • Bevölkerungsvorausberechnungen

Bevölkerungsentwicklung 2022

Bevölkerung

Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ingolstadt mit den wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen für 2022.

Autor/-in

Helmut Schels

Veröffentlichungsdatum

9. Januar 2023

Allgemeine Hinweise

Die nachfolgenden aktuellen Zahlen für das Jahr 2022 wurden aus den Daten des Ingolstädter Mel­deregisters berechnet, da die amtlichen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik erst mit einer mehrmonatigen Verzögerung der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden und erst seit Kurzem die Einwohnerzahlen zum 30.09.2022 veröffentlicht wurden. Die amtlichen Zahlen sind systembe­dingt um mehr als 1 000 Einwohner/-innen niedriger als die Daten aus dem Melderegister. Die amt­lichen Zahlen gibt es immer nur für die gesamte Stadt, die Melderegisterdaten können auch für Teilgebiete berechnet werden (z. B. Stadtbezirke)

Bevölkerungsentwicklung insgesamt

Am 31.12.2011 lag die Einwohnerzahl in Ingolstadt laut Melderegister bei annähernd 126 500 Per­so­nen. Zum 31.12.2022 betrug sie knapp 142 400 Einwohner/-innen. Um fast 16 000 oder 12,6% ist die Stadt in den letzten zehn Jahren gewachsen. Das bedeutet ein durchschnittliches jährliches Wachstum von ca. 1 600 Einwohnern oder fast 1,3% im Jahr. Nach dem Bevölkerungsrückgang 2020 auf rund 138 000 (amtlich rund 137 000) Einwohner/-innen, war vor allem der starke Anstieg der Bevölkerungszahl im abgelaufenen Jahr 2022 für den sprunghaften Anstieg seit 2020 verant­wortlich.

Diagramm Einwohnerentwicklung Ingolstadts bis 2022

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Komponenten der Bevölkerungsentwicklung

Zunächst ein Blick auf die Komponenten der Bevölkerungsentwicklung, die sogenannten „Bevölke­rungsbewegungen“. Die Bevölkerungsbewegungen sind die Zuzüge und Wegzüge und die Differenz davon, der Wanderungssaldo sowie die Geburten und die Sterbefälle, deren Differenz der natürliche Saldo genannt wird.

Wanderungssaldo

Der Wanderungssaldo ergibt sich aus den Zuzügen abzüglich der Wegzüge. Seit vielen Jahrzehn­ten ist er in Ingolstadt, Bayern und auch Deutschland der wesentliche Grund für Veränderungen (meist steigend) der Bevölkerungszahl.

Diagramm Wanderungssalden Deutsche und Ausländer

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Es ist deutlich zu sehen, dass bis 2010 der Wanderungssaldo von Deutschen und Ausländer/-innen etwa gleich hoch auf mäßigem Niveau war. Ab 2011 stieg der Wanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung im Zuge der Freizügigkeit innerhalb der EU für die EU-Beitrittsländer von 2004 (haupt­sächlich aus Ost- und Südosteuropa) stark an. Verstärkt wurde die Zuwanderung aus dem Ausland noch durch die Fluchtbewegungen hauptsächlich zwischen 2015 und 2018 (erst ab 2016 wurden die Geflüchteten in der Einwohnerstatistik in Bayern erfasst). Nach dem Einbruch der Zuwanderungs­zahlen aus dem Ausland durch wirtschaftliche Gründe (2019) und die Corona-Pandemie (2020) stieg sie 2021 wieder auf das Niveau der letzten zehn Jahre.

Mit über 4 100 Zugewanderten aus dem Ausland ist das Jahr 2022 fast beispiellos in der Zeit seit 1950 in Ingolstadt. Lediglich in den Jahren 1989 (+ 3 500) und 1990 (+3 800) kamen annähernd so viele Personen aus dem Ausland, damals hauptsächlich Spätaussiedler aus Rumänien und der ehe­maligen UdSSR. Wie viele der Zugewanderten jedoch dauerhaft in Ingolstadt bleiben werden, ist ungewiss und hängt wohl sehr stark von den Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern ab (z. B. Ukraine).

Bei der deutschen Bevölkerung in Ingolstadt lässt sich seit 2009 ein zunehmender Abwärtstrend der Zuwanderung feststellen. Ab dem Jahr 2016 bleibt der Wanderungssaldo der Deutschen negativ, d. h. mehr Wegzüge aus Ingolstadt als Zuzüge. Seit rund drei Jahren liegt das Wanderungsdefizit bei rund 1 000 Personen pro Jahr. Hauptsächlich deutsche Personen im Alter unter 10 Jahren und von 30 bis unter 45 Jahren machen den negativen Wanderungssaldo aus (Familienwanderung, davon knapp die Hälfte in die umliegenden Landkreise).

Der Wanderungssaldo von insgesamt gut 3 000 Personen teilt sich geschlechtlich fast gleich auf. Bei den Deutschen wandern etwas weniger Frauen ab, bei den Ausländer/-innen etwas weniger Frauen zu.

Geburten und Sterbefälle

Die mittelfristige Entwicklung der Geburtenzahlen seit 2004 zeigt zunächst bis 2012 im Durchschnitt rund 1 200 Geburten und rund 1 100 Sterbefälle pro Jahr. Die Geburten stiegen nach 2012 von knapp 1 200 Kindern auf bis über 1 600 Kinder pro Jahr (2018, 2021) stark an. Da sich die Sterbe­fälle ab 2015 bis 2019 etwa um 1 250 Personen pro Jahr bewegten, entstand ein deutlicher Gebur­tenüberschuss oder positiver natürlicher Saldo.

Mit der Corona-Pandemie stiegen auch die Sterbefallzahlen in Ingolstadt ab 2020 deutlich an und lagen 2021 und 2022 bei rund 1 450. Da 2022 auch die Zahl der Geburten rückläufig war und nur noch rund 1 480 betrug, sind im abgelaufenen Jahr annähernd genauso viele Kinder geboren wie Menschen gestorben sind.

Diagramm Geburten und Sterbefälle am Wohnort Ingolstadt

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Stadt- und Regionalvergleich der Einwohnerentwicklung

Wie sieht die Entwicklung der Einwohnerzahlen an anderen Orten aus? Hierzu ein Vergleich der bayerischen Großstädte von 100 000 bis unter 150 000 Einwohnern sowie der Landkreise der Re­gion Ingolstadt:

Die Zahlen, auf denen das nachfolgende Diagramm basiert, sind die amtlichen Daten des Bayeri­schen Landesamts für Statistik zum Stichtag 30. September. Die Bevölkerungszahl zum 31.12.2022 wurde noch nicht veröffentlicht, weshalb der Vergleich der letzten fünf Jahre jeweils zum 30.09. berechnet wurde.

Diagramm: Veränderung der Bevölkerung Ingolstadt und Stadt- und Regionalvergleich

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Berechnung und Darstellung: Statistik und Stadtforschung

Nicht nur in Ingolstadt, auch in den anderen kleineren Großstädten in Bayern wie Regensburg, Würz­burg, Fürth und Erlangen nahm die Einwohnerzahl von September 2021 auf September 2022 sprunghaft zu, nachdem in den Jahren 2019 bis 2021 nur ein relativ geringes Wachstum der Städte festzustellen war.

Mit über 3 800 bzw. knapp 3 200 Personen Einwohnerzuwachs waren Regensburg und Erlangen die am meisten gewachsenen Städte. Mit knapp 2 800 Personen Einwohnerplus lag Ingolstadt knapp dahinter, Fürth folgt mit annähernd 2 300 Personen und am Ende der kleinen Großstädte in Bayern liegt Würzburg mit fast 1 100 Personen Zuwachs bis 30.09.

In den umliegenden Landkreisen der Stadt Ingolstadt zeigt sich die Entwicklung etwas anders. Die Einwohnerzahlzunahme 2022 macht bei den Großstädten den überwiegenden Hauptteil des Ein­wohnerzuwachses seit 2019 aus.

Bei den Landkreisen, vor allem Pfaffenhofen, ist zwar auch der größte Zuwachs an Einwohner/-innen im Jahr 2022 erfolgt, aber die Jahre zuvor hatten ebenfalls einen bedeutenden Anteil am Ein­wohnerzuwachs seit 2019. Die Landkreise wuchsen also stetiger und das Einwohnerplus lag im Landkreis Pfaffenhofen bei rund 4 600, davon gut 1 900 im Jahr 2022, im Landkreis Eichstätt bei etwa 3 200, davon gut 1 800 im abgelaufenen Jahr 2022, in Neuburg-Schrobenhausen bei ca. 3 000, davon rund 1 200 im letzten Jahr.

Welche Personen sind nach Ingolstadt zugewandert?

Natürlich wird als erster Grund der Krieg in der Ukraine genannt. Aber ist es wirklich der Grund oder der Hauptgrund? Um dieser Frage etwas nachzugehen, wurden die Einwohner/-innen Ingolstadts nach Staatsangehörigkeiten ausgewertet.

Die Betrachtung gliedert sich in drei unterschiedliche statistische Auswertungen auf:

  1. Stärkste Zunahmen an Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt im Jahr 2022

  2. Stärkste Zunahmen an Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt 2012 bis 2022

  3. Häufigste Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt am 31.12.2022

Wie im nachfolgenden Diagramm zu sehen ist, nahm im Jahr 2022 die Anzahl der Ingolstädter/-innen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit mit einem Plus von rund 1 300 Personen am stärksten zu. Danach folgen Indien (ca. +440) und Afghanistan (ca. +280), also 720 Menschen außerhalb von Europa. Unter den Plätzen vier bis zehn der Top 10 der 2022 nach Ingolstadt zugewanderten Staats­bürger/-innen sind mit Ausnahme von Syrien und der Türkei (jeweils rund +140) fünf Staaten aus Südosteuropa mit einem Plus von insgesamt rund  (rund +620), davon ist nur Rumänien in der EU (ca. + 70), die restlichen Zuwächse (ca. +350) stammen aus dem Kosovo (+207), Bosni­en/Herzegowina (+142) sowie Nordmazedonien und Albanien (jeweils ca. +100).

Diagramm Top 10 stärkste Zunahmen von Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt 2022

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Etwas anders sieht die Zunahme der Staatsangehörigkeiten aus, wenn man die Jahre 2012 bis 2022 zusammennimmt.

Über die letzten zehn Jahre betrachtet wuchs die Zahl der rumänischen Staatsbürger/-innen in In­golstadt mit rund 1 750 Personen am stärksten, danach folgen erst die Ukrainer/-innen, derenZu­nahme von fast 1 600 Personen aber fast ausschließlich erst 2022 (+1 300) zu verzeichnen war.

Gleich dahinter nahm die Zahl der Menschen aus dem Kosovo mit rund +1 400 und der Inder/-innen mit rund 1 250 ebenfalls stark zu.

Auf den Plätzen 5 bis 7 der stärksten Zunahmen seit 2012 folgen Kroatien (+ ca. 1 000), Syrien (+ ca. 980) und Afghanistan (+940).

Etwas schwächer, aber trotzdem zahlenmäßig sehr hoch, waren die Zuwanderungen aus Bulgarien (rund +650), Griechenland (über +600) und Bosnien und Herzegowina (knapp +600).

Diagramm Top 10 stärkste Zunahmen von Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt von 2012 bis 2022

Quelle: Melderegister // Darstellung und Berechnung: Statistik und Stadtforschung

Trotzdem sind die in Ingolstadt am meisten vertretenen Staatsangehörigkeiten nicht unbedingt iden­tisch mit den in den letzten zehn Jahren am häufigsten Zugewanderten, wie das nachfolgende Dia­gramm veranschaulicht.

Diagramm 15 häufigste Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt 2022

Quelle: Melderegister // Darstellung und Berechnung: Statistik und Stadtforschung

Mit fast 5 000 Bürger/-innen sind Staatsangehörige der Türkei die mit Abstand stärkste ausländische Gruppe in Ingolstadt.

Mit rund 3 000 Einwohner/-innen folgen die Rumänen/-innen, die vorwiegend in den letzten 10 Jah­ren nach Ingolstadt gekommen sind.

Sehr hoch ist auch die Anzahl der kroatischen Staatsbürger/-innen (fast 1 800), die ja erst seit 2017 in der EU sind und auch in den letzten Jahren überwiegend zugewandert sind.

Etwa genauso hoch ist die Zahl der Ukrainer/-innen (1 775), von denen fast drei Viertel (rund 1 300) im abgelaufenen Jahr zu uns kamen.

Neben vielen Griechen/-innen (rund 1 500) und Italiener/-innen (knapp 1 200) wohnen auch ca. 1 450 Personen mit indischer Staatsangehörigkeit Ende 2022 in Ingolstadt.

Knapp 1 100 Menschen aus Bosnien und Herzegowina sowie fast ebenso viele aus unserem EU-Nachbarland Polen bedeuten für diese Länder Platz neun und zehn der häufigsten Staatsangehö­rigkeiten in unserer Stadt.

Jeweils deutlich mehr als 1 000 Personen mit afghanischer und syrischer Staatsangehörigkeit leben in unserer Stadt und auch die EU-Länder Bulgarien (ca. 850), Ungarn (rund 800) und Spanien (fast 750) gehören noch zu den TOP 15 der häufigsten Staatsangehörigkeiten in Ingolstadt.

Insgesamt leben in Ingolstadt zum Stand 31.12.2022 rund 33 700 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (ca. 23,7%) mit sehr unterschiedlichen Aufenthaltsrechten in Deutschland, die meisten allerdings mit einem unbefristeten Aufenthaltsrecht.

Knapp 108 700 Einwohner/-innen mit deutscher Staatsangehörigkeit leben in unserer Stadt.

Bevölkerungsvorausberechnungen

Das Bayerische Landesamt für Statistik hat 2022 die jährlich neu berechnete „Regionalisierte Be­völkerungsvorausberechnung für Bayern bis 2040“ veröffentlicht. Ingolstadt würde demnach von 137 000 Einwohnern am 31.12.2020 auf 144 200 Personen bis 2040 anwachsen.

Die amtliche Einwohnerzahl zum 30.09.2022 ist bereits bei über 140 300 Personen angelangt. In­nerhalb von weniger als zwei Jahren nahm die Bevölkerungszahl um rund 3 300 Einwohner/-innen zu. Somit wäre das berechnete Wachstum der Jahre 2020 bis 2040 mit rund 7 200 Personen nach kurzer Zeit bereits fast zur Hälfte heute erreicht. Deshalb erscheint eine deutlich höhere Bevölke­rungszunahme als wahrscheinlich.

Das Bayerische Landesamt für Statistik weist bei seinen Bevölkerungsvorausberechnungen aus­drücklich darauf hin, dass ihre Berechnungen nicht auf detaillierten Kenntnissen in den Kreisen in Bayern beruhen. Die Städte sollten selbst auf der Basis der Berechnungen des Landesamts und ihres vorhandenen Wissens vor Ort eigene Vorausberechnungen anstellen.

Deshalb werden im Abstand von zwei bis drei Jahren eigene Prognoseszenarien für Ingolstadt be­rechnet. Die Rahmenbedingungen der Prognoseszenarien werden zuvor verwaltungsintern abge­stimmt.

Als wahrscheinlich wird dort ein Bevölkerungswachstum auf rund 150 000 bis 157 000 Einwohner/-innen bis 2039 berechnet, falls die Zuwanderung nach Ingolstadt im Saldo rund 600 bis 850 Perso­nen pro Jahr sein wird. Das wird weiterhin als realistisch erachtet.