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Auf dieser Seite

  • Allgemeine Hinweise
  • Bevölkerungsentwicklung insgesamt
  • Ursachen des Bevölkerungswachstums
  • Wie wird sich die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren entwickeln?
    • Entwicklung und Vorausberechnung der Kinder unter 10 Jahren
    • Die Bevölkerungsvorausberechnung und die wirtschaftliche Perspektive in Ingolstadt
    • Entwicklung und Vorausberechnung der Einwohner von 60 bis unter 70 Jahren
  • Ausblick

Bevölkerungsentwicklung 2019

Bevölkerung

Analyse der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Ingolstadt mit den wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen für 2019.

Autor/-in

Helmut Schels

Veröffentlichungsdatum

9. Januar 2020

Allgemeine Hinweise

Die nachfolgenden aktuellen Zahlen für das Jahr 2019 sind Berechnungen aus den Daten des Melderegisters der Stadt Ingolstadt. Die vom Bayerischen Landesamt für Statistik oft erst sehr viel später veröffentlichten amtlichen Zahlen weichen von diesen Daten meist etwas ab, derzeit liegen die amtlichen Zahl ca. 1 200 Personen unter denen des Melderegisters, wenn man das gleiche Datum vergleicht.

Bevölkerungsentwicklung insgesamt

Am 31.12.2011 lag die Einwohnerzahl in Ingolstadt laut Melderegister bei knapp 126 500 Perso­nen. Zum 31.12.2019 betrug sie rund 138 700 Einwohner. Um etwa 12 200 oder knapp 10% ist die Stadt in nur 8 Jahren gewachsen. Das bedeutet ein durchschnittliches jährliches Wachstum von über 1 500 Einwohnern oder 1,2%.

Ingolstadt ist im Jahr 2019 laut Melderegister zwar nur noch um 535 Einwohner gewachsen, nach mehr als 1 700 Einwohner Wachstum im Vorjahr. Berücksichtigt man allerdings die Sonderent­wicklung im Bereich Flucht und Asyl, hier gab es einen Rückgang der Personen um 461, wäre die Bevölkerung ohne diese Sonderentwicklung sogar um rund 1 000 Personen angewachsen und wäre auf knapp 139 200 gestiegen.

Diagramm Einwohnerentwicklung Ingolstadts bis 2019

Quelle: Melderegister, Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Ursachen des Bevölkerungswachstums

Über viele Jahre und Jahrzehnte spielte der natürliche Saldo, d. h. die Differenz aus Geburten und Sterbefällen, bei der Einwohnerentwicklung kaum eine Rolle. Das Bevölkerungswachstum war fast ausschließlich durch den Wanderungssaldo, die Differenz aus Zuzügen und Wegzügen, bestimmt. Erst mit dem Beginn höherer Geburtenzahlen ab 2013 und dann besonders ab 2014 stieg der natürliche Saldo, weil die Anzahl der Sterbefälle nur geringfügig höher wurde. Seit 2014 beträgt der Anteil des Saldos aus Geburten und Sterbefällen, der Geburtenüberschuss, mehr als 20% des Bevölkerungswachstums, im letzten Jahr aufgrund des geringeren Wanderungssaldos sogar 29%.

Diagramm Wanderungssalden und Geburten sowie Sterbefälle

Quelle: Melderegister // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Wie wird sich die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahren entwickeln?

Prognosen - oder auch Bevölkerungsvorausberechnungen genannt - sind mit sehr großen Unsi­cherheiten behaftet. In der Regel verwendet man mehrjährige Kennzahlen aus der Vergangenheit (z. B. Wanderungsquoten nach Alter und Geschlecht, Fruchtbarkeitsziffern nach Alter der Frauen etc.) und schreibt diese unverändert oder mit Modifikationen in die Zukunft fort.

Das Bayerische Landesamt für Statistik rechnet mittlerweile jedes Jahr eine Bevölkerungsvoraus­berechnung für alle Kreise Bayerns. Ingolstadt wäre in knapp 20 Jahren demnach bei rund 147 000 Einwohnern, ein Anstieg um rund 10 000 Personen verglichen zum Ausgangsbestand von 2018. Diese Berechnung geht von einem deutlichen Rückgang der Zuwanderung nach Ingolstadt aus, was auch für ganz Bayern gilt.

Diagramm: Bevölkerungsvorausberechnung bis 2038

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Ingolstadt wird also weiter deutlich wachsen. Das Landesamt für Statistik sieht das Wachstum der nächsten 20 Jahre bis 2038 bei rund 10 000 Einwohnern, 1998 bis 2018, also die letzten 20 Jahre, betrug das Wachstum der Stadt mehr als 23 000 Einwohner.

Die Zunahme der Bevölkerung bis 2038 um 10 000 Einwohner wird nach den Annahmen und Berechnungen des Landesamts für Statistik von einem Wanderungsüberschuss von 6 200 Per­sonen und einem Geburtenüberschuss von rund 3 800 Personen gespeist. Fast 40% des Bevöl­kerungszuwachses geht also auf das Konto der noch anhaltend hohen Geburtenzahlen und der nur mäßig steigenden Zahlen der Sterbefälle.

Entwicklung und Vorausberechnung der Kinder unter 10 Jahren

Wie werden sich voraussichtlich die Zahlen der Kinder unter 10 Jahren entwickeln? Wie werden sich die hohen Geburtenzahlen seit 2013 auf die Kinderzahlen in Ingolstadt auswirken? Diese Fragen sind deshalb besonders interessant, weil der Bau, die Erweiterung und der Betrieb von Krippen, Kindertagesstätten und Grundschulen von diesen Zahlen abhängt.

Die Modellrechnungen des Landesamts für Statistik dürfen dabei nicht als Prophezeiung betrach­tet werden; es sind Berechnungen aufgrund von Entwicklungen der Vergangenheit, der aktuellen Geschlechts- und Altersstruktur der Kreise, des Landes und der Bundesrepublik Deutschland, kombiniert mit Trends, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden.

Diagramm: Bevölkerungsvorausberechnung Ingolstadt bis 2038 (unter 10-Jährige)

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Es ist deutlich an den Diagrammlinien abzulesen, dass die Zahlen der Kinder in allen drei Alters­gruppen seit 1998 bis 2013 relativ konstant auf etwa gleichem Niveau waren, die Kinder von 6 bis unter 10 Jahren bei 4 600 bis 5 000 Kinder, die unteren Altersgruppen bei rund 3 500 Kindern.

Mit dem Anstieg der Geburten ab 2013 von früher rund 1 100 bis 1 250 auf über 1 600 im Jahr 2018 stieg zuerst die Zahl der unter 3-Jährigen (Kinderkrippen), drei Jahre später ab 2016 auch die Zahl der Kindergartenkinder von 3 bis unter 6 Jahren.

Die gepunkteten Linien zeigen die Bevölkerungsvorausberechnung: demnach werden die Zahlen der Kinder unter 6 Jahren , vor allem der 3- bis unter 6-Jährigen noch einige Jahre weiter steigen, ab etwa 2024/25 sinken sie langsam bis 2038 auf ein Niveau von 4 200, das deutlich über dem Niveau von 3 500 Kindern aus dem Jahr 2013 liegt.

Dadurch, dass sich die höheren Geburtenzahlen seit 2013 erst mit einer Verzögerung von 6 bis 9 Jahren in der Grundschule niederschlagen, ist der Geburtenboom bei den Grundschulen noch gar nicht angekommen, sondern wird die nächsten Jahre bis 2026 einen Anstieg von 4 800 auf 6 000 Schülern/-innen bedeuten. Dieses hohe Niveau wird bis 2030 gehalten, um dann ganz langsam bis 2038 auf etwa 5 600 Kinder zu sinken, immerhin noch 600 mehr als es derzeit sind.

Die Bevölkerungsvorausberechnung und die wirtschaftliche Perspektive in Ingolstadt

Die Zahl der Einwohner entwickelt sich aus mehreren Komponenten:

  • der natürlichen Alterung der Personen

  • den Geburten und Sterbefällen und

  • dem Wanderungssaldo (Zu- und Wegzüge)

Der Wanderungssaldo im Besonderen hängt wesentlich von der Arbeitsplatz-, Ausbildungs- und Studiensituation ab. Gerade der Dieselskandal und die Umstellung auf alternative Antriebsformen in der Automobilindustrie treffen Ingolstadt sehr stark, Arbeitsplatzverluste und die darauffolgende Abnahme oder Stagnation der Einwohnerzahlen wird vielfach befürchtet. Wie ist die wirtschaftli­che Situation in Ingolstadt einzuschätzen?

Tatsache ist, dass es in den Jahren 2011 bis 2016 mit über 22 000 Stellen ein sehr starkes und dynamisches Arbeitsplatzwachstum (fast 4 000 pro Jahr) gab. Ab 2017 ist das Arbeitsplatzwachs­tum zwar auch noch beachtlich gewesen, aber es kühlte sich doch schon etwas ab. Von 2018 bis 2019 waren es dann nur noch 500 Arbeitsplätze mehr. Die Situation eines mäßigen Arbeitsplatz­wachstums gab es aber auch schon in den Jahren 2008 bis 2010. Ingolstadts Arbeitsmarkt wuchs bis jetzt trotz Automobilkrise.

Diagramm: svb am Arbeitsort Ingolstadt bis 2019

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Auch wenn zukünftig Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren gehen sollten, heißt das noch nicht automatisch, dass es zu einem Wegzug von Einwohnern kommen muss.

Hierfür ein Exkurs zu den Bevölkerungsvorausberechnungen der Einwohner von 60 bis unter 70 Jahren, also der Altersgruppe, die in den nächsten Jahren in den beruflichen Ruhestand treten wird.

Entwicklung und Vorausberechnung der Einwohner von 60 bis unter 70 Jahren

In den nächsten rund 15 Jahren wird sich die Zahl der Einwohner von 60 bis unter 65 Jahren und von 65 bis unter 70 Jahren durch die Alterung der jetzt 50- bis unter 60-Jährigen stark erhöhen und damit auch die Zahl der Beschäftigten, die in den Ruhestand treten werden. Die Zahl der 60- bis unter 65-Jährigen wird sich bis 2027 um rund 1 200 Personen auf rund 9 000 erhöhen, die Zahl der 65 bis unter 70-Jährigen steigt um fast 2 000 Personen bis 2032 auf 8 400 an.

Diagramm: Bevölkerungsvorausberechnung Ingolstadt bis 2038 (60- bis unter 70-Jährige)

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung: Statistik und Stadtforschung Ingolstadt

Anpassungen bei den Arbeitsplätzen, z. B. in der Automobilindustrie, werden in den nächsten 10 bis 15 Jahren zu einem großen Teil durch diese demografische Welle (Baby-Boomer der 60er Jahre) der Ruhe- und Vorruheständler möglich sein. Andernfalls drohen ein massiver Fachkräf­temangel und der Verlust mannigfaltigen Fach- und Erfahrungswissens.

Ausblick

Die Bevölkerungsvorausberechnung des Landesamts für Statistik ist nur eine Variante möglicher Entwicklungen, man kann sich auch mehr zurückhaltende oder auch progressi­vere Szenarien vorstellen.

Ziel der Bevölkerungsvorausberechnung ist nicht, die genauen Einwohnerzahlen exakt zu prognostizieren, Ziel ist vielmehr, wahrscheinlich eintretende demografische Veränderun­gen sichtbar und dadurch für planende und politische Entscheidungen gewinnbringend nutzbar zu machen.

Die vorhersehbaren und voraussichtlich auch eintretenden Auswirkungen der zahlenmä­ßigen Trends bei den unter 10-Jährigen und den Einwohnern von 60 bis unter 70 Jahren erfordern vielfältige Anpassungsstrategien, sei es bei der Kinderbetreuungs- und Grund­schul-Infrastruktur oder auch in einer vorausschauenden Arbeitsmarkt- und Beschäfti­gungspolitik.