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  • Mehr Kinder durch mehr Mütter?
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Mehr Frauen und mehr Kinder

Bevölkerung

Analyse der Geburtenentwicklung und Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren mithilfe der demographischen Methode der Dekomposition von rohen Raten.

Autor/-in

Joanna Kaszubowska

Veröffentlichungsdatum

1. August 2019

Datengrundlagen

Die Geburtenzahlen Ingolstadts seit 1950 sind amtliche Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Die Bevölkerungszahlen nach Alter und Geschlecht, sowie die Geburtenzahlen nach Alter der Mutter für die Jahre 1998, 2008 und 2018 stammen aus dem Melderegister der Stadt In­golstadt. Bei den Bevölkerungs- sowie Geburtenzahlen für 2018 wurden die Bewohnerinnen von und Geburten in Ankunfts- und Rückführungsunterkünften nicht berücksichtigt.

Wenn im Folgenden von Frauen die Rede ist, bezieht sich das immer auf die Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren.

Babyboom ab 2013

2018 wurden über 1 600 Ingolstädter Kinder geboren. Der höchste Wert der Nachkriegszeit. Die­ser Geburtenrekord ist nicht nur auf die hohe Anzahl von Frauen in Ingolstadt zurückzuführen. Obwohl auch die Anzahl der Frauen in Ingolstadt 2018 einen Höchstwert erreichte, lässt sich eine Veränderung im Geburtenverhalten erkennen.

Diagramm: Geburten in Ingolstadt von 1950 bis 2018

Geburten in Ingolstadt von 1950 bis 2018 // Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik // Darstellung/Berechnung: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Relativ starke Geburtenjahrgänge gab es in Deutschland vor dem ersten Weltkrieg, vor dem zwei­ten Weltkrieg, in den 1960er Jahren, um die 1990er Jahre und ab 2013. Die Tochtergeneration eines Baby-Boom-Jahrgangs bekommt mehr Kinder als die Tochtergeneration eines geburten­schwachen Jahrgangs. Die steigenden Geburtenzahlen der letzten sechs Jahre wurden auf diese sogenannte demografische Welle zurückgeführt.

Mehr Kinder und mehr Mütter

Während die Zahl der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren in Ingolstadt in den letzten 20 Jahren um gut 11% anstieg, ist die Zahl der Geburten im selben Zeitraum um knapp 28% gestiegen. Be­trachtet man die letzten zehn Jahre ist die Zahl der Frauen in dieser Altersgruppe um knapp 4% gestie­gen, die Zahl der Geburten um gut 33%. Der Anstieg der Geburten entspricht somit nicht dem Anstieg der Frauen in dieser Altersgruppe.

Die Allgemeine Fruchtbarkeitsziffer gibt an wie viele Kinder pro 1 000 Frauen in einem Jahr durch­schnittlich geboren wurden. Im Jahr 2018 waren es 51, im Jahr 2008 waren es 40 und im Jahr 1998 waren es 45 Kinder pro 1 000 Frauen in Ingolstadt.

Diagramm: Frauen nach Alter in Ingolstadt 1998, 2008 und 2018

Frauen nach Alter in Ingolstadt 1998, 2008 und 2018 // Quelle: Melderegister Stadt Ingolstadt // Darstellung/Berechnung: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Diagramm: Geburten nach Alter der Mutter in Ingolstadt 1998, 2008 und 2018

Geburten nach Alter der Mutter in Ingolstadt 1998, 2008 und 2018 // Quelle: Melderegister Stadt Ingolstadt // Darstellung/Berechnung: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Mehr Kinder durch mehr Mütter?

Mithilfe der demographischen Methode der Dekomposition von rohen Raten, kann man die Unter-schiede der Geburtenraten zwischen zwei Zeitpunkten oder zwei Bevölkerungsgruppen nach den Beiträgen der Altersstruktur einerseits und nach Beiträgen des Geburtenverhaltens andererseits aufschlüsseln. Die Berechnung dieser Beiträge zeigt, dass sowohl die Altersstruktur der weiblichen Bevölkerung als auch das Geburtenverhalten sich positiv auf die Anzahl der Geburten auswirken.

2018 wurden 11 Kinder pro 1 000 Frauen mehr geboren als 2008, wovon fünf auf die günstigere Altersstruktur und sechs auf das veränderte Geburtenverhalten zurückzuführen sind.

Gegenüber 1998 wurden 2018 insgesamt 6 Kinder pro 1 000 Frauen mehr geboren, wovon zwei auf die günstigere Altersstruktur und vier auf das veränderte Geburtenverhalten zurückzuführen sind (siehe Tabelle unten).

Tabelle: Veränderung prozentual und absolut der weiblichen Bevölkerung, der Geburten sowie der Geburtenrate

Quelle: Melderegister Stadt Ingolstadt // Darstellung/Berechnung: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Deutsche Frauen

Insbesondere bei den deutschen Frauen hat sich das Geburtenverhalten in den letzten 20 Jahren verändert. Denn es erklärt sieben der acht Kinder mehr pro 1 000 deutscher Frauen in Ingolstadt. Speziell die Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren hat einen positiven Effekt auf die Geburtenzahlen der deutschen Frauen. Diese Altersgruppen haben im Vergleich zum den anderen Altersgruppen der deutschen Frauen den größten Anstieg der Geburtenraten. Dieser ist auf das veränderte Ge­burtenverhalten zurückzuführen, denn die deutsche weibliche Bevölkerung dieser Altersgruppen ist in den letzten zwanzig Jahren gesunken. Die weibliche deutsche Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 49 Jahren in Ingolstadt ist in den letzten zwanzig Jahren um 1,5 Prozent gesunken, die Geburtenzahlen der deutschen Frauen sind um 20 Prozent gestiegen.

Tabelle: Veränderung der Geburtenrate durch Altersstruktur und Geburtenverhalten

Quelle: Melderegister Stadt Ingolstadt // Darstellung/Berechnung: Stadt Ingolstadt, Statistik und Stadtforschung

Ausländische Frauen

Die Zahl der Geburten der ausländischen Mütter ist in den letzten 20 Jahren um 12 Kinder pro 1 000 Frauen gesunken, wobei diese Änderung fast ausschließlich auf eine Änderung im Gebur­tenverhalten im Alter unter 30 Jahren zurückzuführen ist. Der Beitrag der Altersstruktur auf die Veränderung der Geburtenrate ist im Alter unter 30 Jahren bei ausländischen Frauen negativ. Die Zahl der ausländischen Frauen im gebärfähigen Alter ist zwischen 1998 und 2018 um 76 Prozent gestiegen, die Zahl der Geburten von ausländischen Müttern jedoch nur um 48 Prozent.

Fazit

Der Anstieg der Geburten istnur teilweise auf einen Anstieg der Bevölkerung zurückzuführen. Diese Untersuchungen zeigen, dass sich das Geburtenverhalten in Ingolstadt eindeutig geändert hat. Diese Entwicklung kann der langfristige Effekt des Ausbaus der Kinderbetreuung, der Einfüh­rung des Elterngeldes und der sozialen Akzeptanz beider Faktoren sowie einer allgemein höheren wirtschaftlichen Sicherheit in den letzten Jahren sein. Sie kann jedoch auch das Ergebnis des Nachholens von zuvor verschobenen Geburten sein. Mit den Daten des Melderegisters allein ist nicht zu erklären, worin die Ursachen dieser Veränderungen liegen.

Mit dem Ende der momentan andauernden demografischen Welle wird auch die Zahl der Frauen sehr wahrscheinlich zurückgehen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass sich die Anzahl der Geburten nicht allein durch die Zahl der Frauen erklären lässt.